Fellows



Hans-Georg Hofer
IFK_Junior Fellow


Duration of fellowship
01. October 1999 bis 30. June 2000

Hans-Georg Hofer

PROJECT-TITLE

Nervenschwäche und Nervenstärke. Der Umgang mit der Nervosität (1880-1920)



PROJECT-DESCRIPTION

Seit etwas mehr als einem Jahrzehnt zeigt sich ein verstärktes Interesse an den Überforderungsdebatten der Jahrhundertwende, in deren Mittelpunkt die Neurasthenie stand: ein medizinischer Neologismus, der unruhige bzw. erschöpfte Körperbefindlichkeiten umschrieb und trotz Ungenauigkeit zum Leitbegriff des nervösen Zeitalters avancierte. Ärzte sahen in der Neurasthenie vor allem eine "Männerkrankheit" und statteten die Diagnose mit positiven Konnotationen aus. Im Verhüllen maskuliner Krisen und Erfüllen euphemistischer Bedürfnisse entwickelten Begriff und Leiden ihre spezifische Attraktivität. Markiert die Nervenschwäche - als medizinisches Konstrukt und individuelle Gefühlserfahrung - die vorherrschende mentale Disposition vor 1914, so bringen die Kriegsjahre eine ebenso abrupte wie radikale Wende. Die Beseitigung der Nervenschwäche wird zunächst dem Kriegsereignis als solchem zugesprochen. Nach dessen Scheitern ist das Eliminieren der Nervenkrisen dringlichstes Ziel der Nervenheilkunde, die sich von den Militärs in die Pflicht nehmen läßt. Der ärztliche Skepsis "Umbau" männlicher Verhaltensweisen orientiert sich dabei an neuen soldatischen Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen, die im Zeichen restriktiver Nerven- und Körperkontrolle stehen.



CV

Mag. phil., geb. 1972 in Hartberg; studierte Geschichte und Geographie in Graz, 1995 Diplomarbeit zum Thema "Aspekte zum Bild der Juden in der medizinischen Literatur der Jahrhundertwende". Er arbeitet seit 1996 an einer Dissertation zum Thema "Nervenschwäche und Nervenstärke. Der ärztliche Umgang mit der Nervosität (1880-1920)" an der Abteilung für Zeitgeschichte der Universität Graz. 1997-98 Mitarbeiter an der Ausstellung "VernichtungskriegVerbrechen der Wehrmacht 1941 -1944" in Graz; 1998 Projektmitarbeiter an der Abteilung für Zeitgeschichte. 1999 nahm er mit dem Vortrag "'Die Zitterer'. Psychiatrie und Krieg" am IFK-Workshop "Der Krieg und die Moderne" teil.



Publications

Eine Publikation zum Thema erscheint in: Moderne, Medizin und Krieg Hg. Helmut Konrad.