Alexander Draxl
IFK_Junior Fellow


Zeitraum des Fellowships:
01. Oktober 2020 bis 30. Juni 2021

Alexander Draxl

PROJEKTTITEL

Zum Begriff des Schicksals: Die Rückkehr der Tragödie in der Moderne



PROJEKTBESCHREIBUNG

Walter Benjamin hielt im Passagen-Werk die Beobachtung fest, die Moderne zeichne sich durch eine regelrechte „Schicksalslüsternheit“ aus. In der Tat spielte der Begriff Schicksal in vielen Diskursen um 1900 eine wichtige Rolle, nicht nur in Philosophie und Literatur, sondern auch den Kultur- und Naturwissenschaften. Das Projekt untersucht, welche Arbeit der Schicksalsbegriff um 1900 leistete. Folgende Fragen werden dabei gestellt: Woher stammte die Faszination für diesen vermeintlich archaischen Begriff? Welche Deutungskraft kam dem Schicksal in der Moderne zu? Welche Konflikte, Prozesse und Machtverhältnisse wurden in diesem Kontext verhandelt? Zur Beantwortung dieser Fragen beleuchtet das Projekt das Verhältnis von Philosophie und Tragödie um 1900, fragt, welche methodologischen Veränderungen mit dem Fokus auf den vieldeutigen Begriff Schicksal einhergingen, und untersucht das Schwanken der Moderne zwischen Entzauberung und Verzauberung, das in der Figur des Schicksals deutlich wird.



CV

Alexander Draxl studierte Erziehungswissenschaft und Psychologie in Innsbruck, wo er fünf Jahre als studentischer Mitarbeiter an der Fakultät für Bildungswissenschaften tätig war. Nach einem Auslandssemester in Kanada nahm er 2017 ein Doktoratsstudium der Germanistik an der Princeton University auf. Neben dem Forschungsprojekt zum Schicksalsbegriff um 1900 hat er sich in aktuellen Seminaren mit kulturwissenschaftlichen Zugängen zu Liebe, Aggression und Kindheit beschäftigt. Seine Forschungsschwerpunkte sind Psychoanalyse, Erste Kulturwissenschaft (Benjamin, Freud, Simmel, Warburg), Theorien der Moderne und die deutschsprachige Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts (vor allem Schopenhauer, Nietzsche, Heidegger).

09
Dezember
2020
18:15
  • Lecture
IFK
Alexander Draxl

Um 1900 scheint das Wort Schicksal ein obsoleter Begriff zu sein, ein irrationaler Rest längst vergangener Zeiten. Denn wer kann in der Moderne noch an etwas wie das Schicksal glauben? Erstaunlicherweise aber war Schicksal ein durchaus geläufiger Begriff. In seinem Vortrag stellt sich Alexander Draxl die Frage, was dieser unzeitgemäße Begriff um 1900 zu leisten vermochte.

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