Anna Estermann
IFK_Junior Fellow


Zeitraum des Fellowships:
01. Oktober 2014 bis 30. Juni 2015

Anna Estermann

PROJEKTTITEL

Das Ende der Fiktionen? – Die Krise des literarischen Realismus in den 1960er-Jahren



PROJEKTBESCHREIBUNG

Die 1960er-Jahre können nach der emphatischen Moderne als zweite „Hochzeit“ der Kritik am (literarischen) Realismus gelten, sie bilden ein dynamisches Kontinuum, in dem sich fundamentale kulturelle Veränderungen vollziehen – im Bereich der Medien (Popmusik, „neues Kino“, Allgegenwart des Medialen/„Bewusstseinsindustrie“), des Soziokulturellen (neue „Lebenswelten“/Subkulturen, neue Körperrhetoriken, neue Formen des Politischen), des Erkenntnistheoretisch-Epistemologischen (Strukturalismus, Kultur-Semiologie) und des Künstlerisch-Ästhetischen (Skepsis gegenüber Fiktionen, Aktivierung der Rezipienten, Beschreiben statt Erzählen, Oberfläche vor Tiefe). Die Literatur als jenes „alte“ Medium, in dem seit jeher sozial Bedeutsames verhandelt wurde, sieht sich innerhalb dieses Kontinuums mit dem Aufkommen neuer wirkmächtiger kultureller Formate (und damit neuer Formen von aisthesis und poiesis) konfrontiert. Anhand der Betrachtung spezifischer Konstellationen im deutschsprachigen literarischen Feld („Neoavantgarde“ und Pop, „Neoavantgarde“ und Reportage/Dokumentarismus, Reportage/Dokumentarismus und Pop) sollen im Rahmen des Forschungsprojektes Entwicklungslinien der künstlerischen Praxis und Theorie in ihrer Wechselwirkung mit den kulturellen Dynamiken der 1960er-Jahre untersucht werden.



CV

Anna Estermann studierte Germanistik und Jüdische Kulturgeschichte an der Universität Salzburg. Seit 2013 ist sie dort wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Germanistik.



Publikationen

Vom „bloß sprachlichen“ zu einem „allumfassenden“ Realismus. Handkes „realistic turn“ um 1970, erscheint in: gem. mit Hans Höller (Hg.), Schreiben als Weltentdeckung. Neue Perspektiven der Handke-Forschung, Wien 2014 (= Passagen Literaturtheorie); Panther – Bild – Kraft. Zur Inszenierung (medien-)ästhetischer Konkurrenz in Kafkas „Ein Hungerkünstler“, in: Musil-Forum 32 (2011/12), S. 180–206; „statt ‚Bild‘ sag auch ‚Traum‘, ‚Illusion‘, ‚Ganz-Sein‘, ‚Mit-Sein‘ …“. Handkes ganz weltliche „Religion“ der Bilder, in: Jan-Heiner Tück und Andreas Bieringer (Hg.), „Verwandeln allein durch Erzählen“. Peter Handke im Spannungsfeld von Theologie und Literaturwissenschaft, Freiburg/Br. 2014, S. 172¬–191.

15
Juni
2015
  • Lecture
IFK
Anna Estermann

Mit seinem strukturalistisch-semiologischen Schreibprogramm der 1960er-Jahre machte es sich Peter Handke zur Aufgabe mittels ästhetischer Verfahren ein Bewusstsein für die falsche Natur in der Gesellschaft zu schaffen.

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