Ariane Tanner
IFK_Research Fellow


Zeitraum des Fellowships:
01. März 2016 bis 30. Juni 2016

Ariane Tanner

PROJEKTTITEL

Biomasse



PROJEKTBESCHREIBUNG

Das Konzept Biomasse entfaltete im 20. Jahrhundert in verschiedenen Wissensbereichen und Wissenschaftspraktiken Wirkung: von einer Quantifizierung der Lebendmasse in der Biologie über eine optimale Regulierung von Energieressourcen in der Systemökologie hin zum Körper des Menschen in der politischen Ethik oder in cineastischen Dystopien.

Biomasse wurde vermutlich erstmals in den 1920er-Jahren anhand von „Lebendmasse“ in einem Gewässer definiert. These ist, dass dieses Konzept eine epistemische Schwelle in wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht bedeutete. Mit Biomasse konnte das metabolische Wechselverhältnis von aquatischen Ressourcen und terrestrischer Nutzung neu gedacht werden. Daran schlossen sich Utopien des perfekten Zyklus, Ideen der optimalen Steuerung und Effizienzsteigerung sowie der Kanalisierung der energetischen Reservoirs von Biomassen an.



CV

Ariane Tanner studierte Allgemeine Geschichte, Philosophie und Religionswissenschaft an der Universität Zürich und der Unversitat de Barcelona. Während des Doktoratsstudiums am Lehrstuhl für Wissenschaftsforschung an der ETH Zürich verbrachte sie ein Forschungssemester an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau. 2014 promovierte sie an der ETH Zürich mit einer Arbeit zur Geschichte der Mathematisierung von ökologischen Phänomenen. Seit Herbst 2015 ist sie assoziierte Wissenschafterin am Collegium Helveticum Zürich. Nebst ihrem Postdoc-Projekt unterrichtet sie (Universität Zürich, Hochschule der Künste Bern), engagiert sich in kulturellen Projekten („Zeitreise“, „Kunst + Politik“) und schreibt für verschiedene Publikationsorgane („WOZ“, „theoriekritik“, „apresperf“).



Publikationen

Die Mathematisierung des Lebens. Alfred James Lotka und der energetische Holismus im 20. Jahrhundert, (in Vorbereitung); Utopien aus Biomasse. Plankton als wissenschaftliches und gesellschaftspolitisches Projektionsobjekt, in: Geschichte und Gesellschaft 40 (2014), Nr. 3, S. 323–353; Publish AND Perish. Alfred James Lotka und die Anspannung in der Wissenschaft, in: NTM Zeitschrift für Geschichte der Wissenschaften, Technik und Medizin 21 (2013), Nr. 2, S. 143–170.

09
Mai
2016
  • Lecture
IFK
Ariane Tanner

Massen evozieren Utopien und Schreckensszenarien: Um 1900 galten Menschenmengen als Hoffnungsträger sozialer Reformen und zugleich als anarchische Bedrohung. Der biologische Begriff „Biomasse“ aus den 1920er-Jahren transportiert diesen Umschlagpunkt zwischen Kontrolle und Eigendynamik. Welche Geschichte hat dieses Konzept?

 

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