Bettine Menke
IFK_Senior Fellow


Zeitraum des Fellowships:
01. März 2020 bis 30. Juni 2020

Bettine Menke

PROJEKTTITEL

Babellonisches. Die vielen Sprachen in der Sprache, die ich spreche oder schreibe



PROJEKTBESCHREIBUNG

Mit der Perspektive der Mehrsprachigkeit der Sprache, die ich spreche/schreibe, werden Konzepte von in sich geschlossenen homogenen Sprachen (mit einem territorialen Bezug) ebenso wie herkömmliche Modelle des Übersetzens subvertiert. Denn die inhärente Sprach-vielheit ist nicht übersetzbar, weil jede traditionelle Übersetzung in eine Sprache sie löschen würde. Umgekehrt kann die Übersetzung die vermeintlich eigene Sprache zur anders sprechenden, uns fremden machen. Es handelt sich nicht um eine erst heute dringliche Perspektive, denn viele sprechen/schreiben eine Sprache, die nicht die eigene ist: Minderheiten, Migranten, in kleinen Sprachen, Sprachen im Werden. Solche Sprachsituationen können zu Sprech- und Schreibstrategien gewendet werden (wie bei Kafka, Celan, Joyce, Derrida, Cixous, Tawada). Nicht abzählbare Vielsprachigkeit begegnet uns in den nichtgeschlossenen, nomadischen Sprachen: dem Jiddischen, Mauscheln, Kauderwelsch, die als Mischsprachen oder gar keine, niemandes Muttersprache, Gebabbel um des Konstrukts der Nationalsprachen willen verworfen werden.



CV

Bettine Menke ist Professorin der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft an der Universität Erfurt (zuvor in Konstanz, Frankfurt a. M., Frankfurt (O), Marburg). Gastaufenthalte an der UC Santa Barbara, in Santiago de Chile, am IKKM Weimar und dem Kulturwissenschaftlichen Kolleg (exc.16) der Universität Konstanz. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind: Dimensionen der Texte und der Sprache, Walter Benjamin, Dekonstruktion, Gender und Politik, Perspektiven der Medien und Operationen, Schrift und Stimme, Theater (zuletzt insbesondere Flucht und Szene). Derzeit ist sie IFK_Senior Fellow. 



Publikationen

„Kafkas Zerstreuungen“, in: Stefan Höhne und Manfred Weinberg (Hg.), Franz Kafka im interkulturellen Kontext, Weimar/Köln 2019, S. 229–262; gem. mit Juliane Vogel (Hg.), Flucht und Szene, Berlin 2018; "'Whatever one calls into the forest ...' . translations – echoes", in: Andrew Benjamin und Beatrice Hanssen (Hg.), Benjamin and Romanticism, London/New York 2002, S. 83–97 und S. 218–224; Das Trauerspielbuch, Bielefeld 2010.

04
Mai
2020
18:15
  • Lecture
IFK
BETTINE MENKE

Die Vielsprachigkeit der Sprache wird durch verschiedene Sprachphänomene und -situationen nahegelegt, die lange abgewertet oder marginalisiert wurden. Viele sprechen und schreiben eine Sprache, die nicht die eigene ist: Minderheiten, Migranten, in kleinen Sprachen, Sprachen im Werden. Literarische Texte wenden diese Lagen in Schreibstrategien.

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