Cornelia Zumbusch
IFK_Gast des Direktors


Zeitraum des Fellowships:
01. Oktober 2012 bis 31. Januar 2013

Cornelia Zumbusch

PROJEKTTITEL

Unzeit. Achronien in der Literatur und Kultur des 19. Jahrhunderts



PROJEKTBESCHREIBUNG

Modernisierungsschübe verändern im 19. Jahrhundert die kulturellen Lebenswelten in ungekanntem Tempo. Zwar führen Innovationen zum Veralten des Vertrauten, allerdings wird das obsolet Gewordene nicht restlos überholt, sondern bleibt oft in veränderter Form neben dem Neuem bestehen. Die wissensgeschichtlich auffällige Konjunktur von Begriffen wie Relikt (Geschichtswissenschaft), Fossil (Geologie), Atavismus (Evolutionsbiologie) oder Reminiszenz (Psychoanalyse) deutet auf den Bedarf an Konzepten, mit denen sich die Persistenz des Alten im Neuen beschreiben lässt. Zwar scheint es, als könne der Zustand, dass etwas zugleich vergangen und gegenwärtig ist, räumlich dargestellt werden. Im scheiternden Vergleich der Psyche mit Rom als archäologischer Stätte treibt aber schon Freud die Paradoxie topologischer Veranschaulichungen hervor. Ausgehend von dieser Problemlage geht das Projekt Erzählverfahren nach, mit denen temporale Verwerfungen nicht nur in der Literatur, sondern auch in den Wissenschaften dargestellt werden.



CV

Cornelia Zumbusch studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Anglistik in Tübingen und Berlin. 2006 erhielt sie den Wissenschaftspreis der Aby-Warburg-Stiftung, 2009 habilitierte sie sich an der LMU München. 2012 hat sie einen Ruf an die Universität Hamburg angenommen.



Publikationen

(u. a.): Urgeschichte. Erzählungen vom Vorvergangenen bei Herder, Engels, Freud und Benjamin, in: Tobias Döring und Michael Ott (Hg.), Urworte. Zur Archäologie erstbegründender Begriffe, München 2012, S.137–153; Die Immunität der Klassik, Berlin 2011; Nachgetragene Ursprünge. Vorgeschichten im Bildungsroman (Wieland, Goethe und Stifter), in: Poetica 43/3–4, 2011; Wissenschaft in Bildern. Symbol und dialektisches Bild in Aby Warburgs Mnemosyne-Atlas und Walter Benjamins Passagen-Werk, Berlin 2004

21
Januar
2013
  • Lecture
IFK
Cornelia Zumbusch

Cornelia Zumbusch geht der Frage nach, auf welche Weise die Zeit in den Erzählungen des 19. Jahrhunderts erfahren wird und an erzählerischer Form gewinnt. Denn der Fortgang von Industrialisierung und Urbanisierung unterliegt temporalen Verzögerungen und Beschleunigungen.

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