Daphne Jung
IFK_Junior Fellow


Zeitraum des Fellowships:
01. Oktober 2011 bis 30. Juni 2012

Daphne Jung

PROJEKTTITEL

Realismuskonzepte in der europäischen Malerei des 17. Jahrhunderts



PROJEKTBESCHREIBUNG

Die Bildräume der realistischen Malerei der ersten Hälfte des 17.Jahrhunderts sind eigentümlich: einerseits führen sie einem eine unmittelbar evidente, oft hyperrealistische Wirklichkeit vor Augen, die häufig vorgibt, einer arrangierten Ateliersituation zu entspringen. Zugleich verweisen sie aber auf etwas, was sich dieser dokumentarischen Sichtbarmachung entzieht und, sei es religiöser oder profaner Natur, geradezu geheimniskrämerisch als im Bild Verborgenes inszeniert wird. Sowohl das unmittelbar Evidente als auch das Undarstellbare werden so in eine betont artifizielle Bildwelt eingespeist, die doch zugleich mehr als je zuvor alltags- und wirklichkeitsnah sein möchte. Zwar ist die realistische Malerei darum bemüht, eine geschlossene Bildwelt zu präsentieren, die ihre Erkenntnis- und Darstellungsbedingungen selbst reflektiert, sie bezieht sich dabei aber immer auch auf Räume, die außerhalb ihrer selbst liegen: die empirische Wirklichkeit, die Imagination und den Raum der Transzendenz. Sie erweist sich so als Mischform, die unterschiedliche, oft divergierende Wissensordnungen zugleich ins Bild setzt, welche sich im epistemologischen Übergang zur Moderne ausdifferenzieren, aber diskursiv verflochten bleiben. Ihren Abgrenzungen, Berührungspunkten und Austauschprozessen möchte das Forschungsprojekt nachgehen. Dabei soll der Fokus auf der sogenannten "caravaggistischen" Malerei und insbesondere im europäischen Rezeptionsraum liegen und insbesondere jener Georges de La Tours, wobei sich die Frage stellen wird, welche spezifischen Darstellungsmodi die Begriffe "caravaggistisch" und "realistisch" eigentlich zu fassen versuchen und welche Formen des Erzählens und Beschreibens diesen zugrunde liegen.



CV

Daphne Jung hat Kunstgeschichte und Vergleichende Literaturwissenschaft in Wien studiert. Sie ist Doktorandin am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien.

25
Juni
2012
  • Lecture
IFK
Daphne Jung

Georges de La Tours (1593–1652) Malerei ist nicht nur realistisch, sie ist hyperrealistisch: Sie ist so übervoll an Details, als wollte sie die Natur nicht bloß wiedergeben, sondern ihre Effekte überbieten. Daphne Jung folgt La Tours inszenierten Bildwelten, die künstlich und doch unmittelbar anmuten.

 

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