Hans-Thies Lehmann
IFK_Gast des Direktors


Zeitraum des Fellowships:
01. Oktober 2014 bis 31. Januar 2015

Hans-Thies Lehmann

PROJEKTTITEL

Der kommende Brecht



PROJEKTBESCHREIBUNG

Die Verbindung von Philosophie, Politik und Poesie, die Bertolt Brechts Schaffen kennzeichnet, ist seit den Tagen Hölderlins im deutschen Sprachbereich ein Ausnahmephänomen geblieben. Das Projekt soll (erstens) herausarbeiten, wie Brechts Lyrik jenseits der politischen Didaxe einen komplexen Diskurs über das Subjekt als Effekt der Ansprache artikuliert. Jener Brecht, der international gerühmt und in aller Welt bekannt ist, ist der übersetzte Brecht. Es wird (zweitens) gezeigt, inwiefern reduktive Lesarten seiner Texte nur möglich sind aufgrund der Verkennung wichtiger poetischer Nuancen, einer „Ästhetik des Widerhakens“. Brecht wird weithin nur als Verfechter des epischen Theaters und des Verfremdungseffekts rezipiert. Daher soll (drittens) das Modell des Lehrstücks als performativ verstandene Praxis der Selbstbelehrung als Untergrund des epischen Theaters profiliert werden, das im Grunde eine Kompromissbildung darstellt zwischen Brechts radikalen Intentionen hinsichtlich eines anderen Theaters und der Lage des Autors im Exil. 



CV

Hans-Thies Lehmann war von 1988 bis zu seiner Emeritierung 2010 Professor für Theaterwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Von1983 bis 1988 lehrte er am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Mitglied der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, Ex-Präsident der Internationalen Brecht Gesellschaft, Honorary Professor der Aberystwyth University, Wales.



Publikationen

(u. a.): Tragödie und dramatisches Theater, Berlin 2013; gem. mit Martina Groß (Hg.), Populärkultur im Gegenwartstheater, Berlin 2012; gem. mit Hirata Eiichirô (Hg.), Theater in Japan, Berlin 2009; gem. mit Patrick Primavesi (Hg.), Heiner Müller Handbuch, Stuttgart 2003; Das politische Schreiben, Berlin 2002.

24
November
2014
  • Lecture
IFK
Hans-Thies Lehmann

Wir brauchen Tragik und Tragödie. Sie sind notwendige Formen der Darstellungskultur, gerade in Zeiten, in denen ungebrochen an rationale Konfliktlösung geglaubt wird. Hans-Thies Lehmann zeichnet das Bild eines neuen Theaters einer postdramatischen Theatralität, indem er es den dramatischen und prädramatischen Grundformen des Theaters in Europa gegenüberstellt.

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