Jan Lazardzig
IFK_RESEARCH FELLOW


Zeitraum des Fellowships:
01. März 2014 bis 30. Juni 2014

Jan Lazardzig

PROJEKTTITEL

Theaterzensur als definierende Gewalt



PROJEKTBESCHREIBUNG

Im 19. Jahrhundert kommt der polizeilichen Theaterzensur für die Akkumulation von Wissen über Theater eine zentrale Bedeutung zu. In den Theaterhauptstädten Wien und Berlin entstehen innerhalb der Polizeiadministrationen umfangreiche Zensurarchive. Es wäre zu kurz gegriffen, wollte man in der polizeilichen Zensur nur ein Mittel zur Aufrechterhaltung von Ruhe, Ordnung und Sicherheit sehen. Tatsächlich offenbart sich das Zensurgeschehen zwischen Theatern und Polizeibehörden oftmals als von gegenseitigen Interessen bestimmt. Dies gilt insbesondere nach der Einführung der Gewerbefreiheit für die Theater, die einem neuen Unterhaltungsbedürfnis in den rasch wachsenden Metropolen Rechnung trägt. Das Forschungsvorhaben geht der Frage nach, inwiefern die Entstehung und Verbreitung neuer theatraler Gattungen dem Zusammenspiel von De-Regulierung und Polizierung entwächst.



CV

Nach dem Studium der Theaterwissenschaft und Geschichte in Berlin arbeitete Jan Lazardzig als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Sonderforschungsbereich „Kulturen des Performativen“ und am theaterwissenschaftlichen Institut der Freien Universität. 2010 / 11 war er Gastprofessor an der Kunstakademie Münster und von 2011 bis 2013 als Feodor-Lynen-Stipendiat der Alexander-von-Humboldt-Stiftung an der University of Chicago. Zurzeit forscht Lazardzig zum Verhältnis von Theater und Polizei im 18. und 19. Jahrhundert.



Publikationen

(u. a.): gem. mit Viktoria Tkaczyk und Matthias Warstat, Theaterhistoriografie. Eine Einführung, Tübingen 2012; gem. mit Claudia Blümle (Hg.), Ruinierte Öffentlichkeit. Zur Politik von Theater, Architektur und Kunst in den 1950er-Jahren, Berlin / Zürich 2012; Theatermaschine und Festungsbau. Paradoxien der Wissensproduktion im 17. Jahrhundert, Berlin 2007; gem. mit Helmar Schramm und Ludger Schwarte (Hg.), Spektakuläre Experimente – Praktiken der Evidenzproduktion im 17. Jahrhundert, Berlin / New York 2006 (= Theatrum Scientiarum III).

19
Mai
2014
  • Lecture
IFK
Jan Lazardzig

Dass Theater ansteckend sei, meinte der Polizeiapparat der Metropolen Wien und Berlin um 1900 durchaus im pathologischen Sinn. Im Umfeld von Schauspielerinnen hole man sich die Syphilis und würde in den unsittlichen Sumpf gezogen. Jan Lazardzig geht den (De-)Regulierungen von Theater und Prostitution durch das Präventionsregime der Polizei jener Zeit nach.

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