Jörg Kreienbrock
IFK_Senior Fellow


Zeitraum des Fellowships:
01. März 2018 bis 30. Juni 2018

Jörg Kreienbrock

PROJEKTTITEL

Der Raum, das Feld, die Lage: Zur Struktur medialer Räume (1909–1969)



PROJEKTBESCHREIBUNG

Das Forschungsprojekt von Jörg Kreienbrock folgt einer Notiz Hans Blumenbergs in Die Vollzähligkeit der Sterne, in welcher er auf die Koinzidenz von „Mondbezwingung und Umweltschutz“ im Jahr 1969 aufmerksam macht. Diesem Zusammenfallen einer kosmisch-abstrakten und einer terrestrisch-konkreten Auffassung von Raum, der sich nicht mehr auf ein transzendental-philosophisches Apriori zurückführen lässt, soll an verschiedenen Punkten wissenschaftlicher, philosophischer und literarischer Begriffsbildung unter besonderer Berücksichtigung ihrer medientechnologischen Kontexte nachgegangen werden.

Ausgangspunkte sind Jakob von Uexkülls Umweltlehre und Kurt Lewins psychologische Feldtheorie, die beide den Glauben an eine objektive Welt im Namen einer Vielzahl subjektiver, möglicher Umwelten bzw. Felder außer Kraft setzen. Von dort führt eine direkte Linie zu Edmund Husserls Theorie der Lebenswelt, wie sie von ihm in Die Krisis der europäischen Wissenschaften entwickelt und von seinem Schüler Aron Gurwitsch, Phänomenologie und Gestalttheorie engführend, weiterentwickelt wurde. In einem dritten Schritt soll dieser phänomenologische „Umsturz“ (Husserl) der kopernikanischen Theorie in der Literatur Gottfried Benns und Ernst Jüngers nachgezeichnet werden.



CV

Jörg Kreienbrock promovierte 2005 mit einer Arbeit über Robert Walser am German Department der New York University. Danach lehrte er als Visiting Assistant Professor of German an der Emory University, Atlanta (USA). Er ist Associate Professor am Department of German and Critical Thought and Comparative Literary Studies an der Northwestern University, Evanston (USA). Das akademische Jahr 2015-16 verbrachte er als Alexander-von-Humboldt-Fellow am Institut für Medienwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum. Im Herbst 2017 war er Visiting Fellow am Institute of Advanced Studies an der Durham University (UK).



Publikationen

A New Levante: Franz Rosenzweig’s Geopolitical Imagination in his War Writings of 1917“, in: Anthony Barker et al. (Hg.), Micronarratives and Peripheral Theatres of the Great War, New York, NY 2018, S. 185–200; „The Border as Regulator of Life: Gustav Freytag’s Uncontainable Realism“, in: The Germanic Review, Vol. 90, No. 3, (2016), S. 204–218; Malicious Objects, Anger Management and the Question of Modern Literature, New York 2012; Kleiner. Feiner. Leichter. Nuancierungen zum Werk Robert Walsers, Berlin / Zürich 2010.

04
Juni
2018
18:15
  • Lecture
IFK
Jörg Kreienbrock

Ist der Weltraum eine Umwelt? Auf der letzten Seite von „Streifzüge durch die Umwelten von Tieren und Menschen“ (1934) stellt der Biologe Jakob von Uexküll diese Frage und reflektiert darüber, was es bedeutet, wenn die Umwelt des Menschen sich aus dem Lokalen ins Globale bzw. Kosmische ausdehnt. Jörg Kreienbrock folgt von Uexkülls Reflexionen über die Erweiterung der menschlichen Lebenswelt und verbindet sie mit philosophischen Reflexionen über die Stellung des Menschen im Kosmos.

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