Julia Meer
IFK_Research Fellow


Zeitraum des Fellowships:
01. Oktober 2020 bis 31. Januar 2021

Julia Meer

PROJEKTTITEL

Verborgene Malerei. Annäherungen an ein vorsokratisches Verständnis von Bildlichkeit



PROJEKTBESCHREIBUNG

Das Forschungsprojekt entwickelt auf der Basis einer historisch-kulturwissenschaftlichen Analyse der etruskischen und lukanischen Grabmalereien ein alternatives Modell von Bildlichkeit. Dieses Bildkonzept vorsokratischer Prägung begreift Bilder in erster Linie als Erscheinenlassen sowie als immanente Raumeröffnung. Es unterscheidet sich damit deutlich von dem bis heute wirkmächtigen Modell, das Platon (als Kritik an der Macht der Bilder) formuliert hat und das auf Ähnlichkeit, Repräsentation und Wiedererinnerung beruht. Der dargestellte Bildbegriff ist daher von zentraler Relevanz für die Bildforschung und vor allem auch die Bildanthropologie, in der der Zusammenhang von Bild und Tod vermehrt diskutiert wird. Die etruskischen und lukanischen Grabmalereien blieben dabei bisher weitgehend unbedacht, obwohl sie eine herausragende Stellung innehaben: Sie zeugen von einer anderen Art des Denkens, in der Raum, Leben, Sein und Erkennen aufs Engste miteinander verbunden sind.



CV

Julia Meer hat Germanistik und Philosophie an den Universitäten Graz und Wien sowie an der Université de Vincennes – St.-Denis (Paris VIII) studiert. Sie war als Mitarbeiterin an zwei FWF-Projekten beteiligt – Künstlerphilosoph_innen. Philosophie als künstlerische Forschung sowie Bodytime. An interdisciplinary inquiry on regular body rhythm and its dysfunctions. Ihre Dissertation mit dem Titel „Expeausition“. Eine korporale Philosophie der Bilder hat sie am Institut für Philosophie der Universität Wien vorgelegt und sich darin bildtheoretischen Fragestellungen gewidmet. Seit 2017 ist sie Lehrbeauftragte an der Karl-Franzens-Universität Graz, und seit 2019 ist sie an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien tätig. 2019 war sie im Zuge eines Forschungsaufenthaltes an der Academia Kantiana, Immanuel Kant Baltic Federal University in Kaliningrad, Russische Föderation. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Ästhetik, Bildtheorie, Differenztheorie, Körperphilosophie und Wahrnehmungstheorie.



Publikationen

„Entzug und Exposition. Zeichen(setzung) bei Jacques Derrida und Jean-Luc Nancy“, in: Monika Leisch-Kiesl (Hg.), Zeichensetzung_Zeichen Zeichnen, Bielefeld 2020, S. 259–280; „Berühren – Zur Temporalisation des Leibes“, in: gem. mit Reinhold Esterbauer und Andrea Paletta (Hg.), Der Leib und seine Zeit. Temporale Prozesse des Körpers und deren Dysregulationen, Freiburg/München 2019, S. 149–166; „Der vulnerable Leibkörper und der Wirbel der Zeit. Zum Menschenbild im Kontext von Philosophie, Kunst und Medizin“, in: Andrea B. Del Guercio, Isabella Guanzini, Hans-Walter Ruckenbauer, Ida Terracciano (Hg.), Kunst heilt Medizin. Interdisziplinäre Untersuchungen zu vulnerabler Körperlichkeit, Innsbruck 2019, S. 92–115.

02
November
2020
18:15
  • Lecture
IFK
Julia Meer

Der von Platon entwickelte Bildbegriff ist bis heute wirkmächtig und wurde in der philosophischen Bildforschung intensiv diskutiert. Formuliert hat ihn Platon als Kritik an einem vorsokratischen Bildverständnis. Julia Meer fragt in ihrem Vortrag anhand der etruskischen und lukanischen Grabmalereien nach diesem Bildverständnis und seiner Aktualität.

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