Karl Schlögel
STADT WIEN/IFK_FELLOW


Zeitraum des Fellowships:
01. März 2015 bis 30. Juni 2015

Karl Schlögel

PROJEKTTITEL

Archäologie des Kommunismus



PROJEKTBESCHREIBUNG

Ausgangspunkt ist die durch ein Epochenende möglich gewordene phänomenologische Analyse der materialen und ideellen Hinterlassenschaft des sowjetischen Kommunismus. Hier soll ein Verfahren ausprobiert werden, das sich von der Geschichte des Alltags, der Geschichte der Erinnerung, aber auch von einer nicht weniger reduktionistischen material culture unterscheidet. Zum Projekt gehören vor allem phänomenologische Mikrostudien über soziale Topoi (Beispiel: die Warteschlange), Verhaltens- und Denkformen (Beispiel: Herzlichkeit, Nichthöflichkeit), physische Topografien (Beispiel: Baustelle des Kommunismus). Sie alle sollen in ihrer Genese, ihrer vollen Entfaltung und ihrer Erosion untersucht werden. Gefragt wird auch danach, weshalb die offensichtlichen Erscheinungen dieser Lebensform in der professionellen Sozial- und Geschichtswissenschaft kaum oder gar nicht behandelt und reflektiert worden sind, während sie bevorzugtes Sujet der (visuellen) Künste geworden sind.



CV

Nach dem Studium der Philosophie, Soziologie und Osteuropäischen Geschichte an der Freien Universität Berlin absolvierte Karl Schlögel Studien und Forschungsaufenthalte in Moskau und Leningrad. Professor für Osteuropäische Geschichte zuerst an der Universität Konstanz, dann an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Nach seiner Emeritierung Arbeit an einer Archäologie des Kommunismus und einer Geschichte des Wolgaraumes.



Publikationen

(u. a.): Moskau lesen, München 2011; Terror und Traum. Moskau 1937, München 2008; Petersburg. Laboratorium der Moderne 1909–1921, München 2007; Im Raume lesen wir die Zeit. Über Zivilisationsgeschichte und Geopolitik, München 2003.

18
März
2015
  • Specials
Wiener Rathaus, Wappensaal. Feststiege II, Felderstraße 1, 1010 Wien

Bis vor kurzem war die Ukraine, immerhin der zweitgrößte Staat Europas, ein weithin unbekanntes Land. Die alarmierenden Nachrichten vom Maidan, der Annexion der Krim, dem unerklärten Krieg Russlands in der östlichen Ukraine haben das geändert: Die Ukraine ist seither irreversibel auf der Mental Map der EuropäerInnen eingezeichnet. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus nicht nur für den akademischen Diskurs, sondern auch für die Politik?

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20
April
2016
  • Lecture Series
WIEN MUSEUM
Karl Schlögel

Es hat sich eingebürgert, von Paris, Wien, Berlin als den Zentren der europäischen Moderne zu sprechen. Die Stadt, in der man, wie Friedrich Nietzsche meinte, erfahren könne, was mit Europa geschieht, taucht in diesem Koordinatensystem nicht auf. Dabei markiert der Chronotop Petrograd/1917, dessen Jubiläum in einem Jahr begangen wird, eine Bruchstelle wie keine andere europäische Metropole.

 

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