Katharina Steidl
IFK_Junior Fellow


Zeitraum des Fellowships:
01. Oktober 2010 bis 30. Juni 2011

Katharina Steidl

PROJEKTTITEL

Bilder des Schattens. Fotogramme zwischen Zufall, Berührung und Imagination



PROJEKTBESCHREIBUNG

In ihrer Dissertation beschäftigt sich Katharina Steidl mit der Technik des Fotogramms und dessen Relation zu einer Über-/Kategorie der Fotografie von Anbeginn seiner Erfindung im Rahmen wissenschaftlicher, okkulter oder amateurhafter Verwendung bis zur künstlerischen Avantgardebewegung. Ausgangspunkt bildet dabei William Henry Fox Talbots Bildgenese seiner ab dem Jahre 1834 erzeugten „photogenic drawings“, jenen so genannten kameralosen, direkten Abdrucksfotografien flacher Gegenstände wie Spitzen, Blätter, Federn und dergleichen, die sich als helle Schatten gegenüber der belichteten Fläche abzeichneten und die er in seinem Werk „The Pencil of Nature“ (1844-46) als sich auf magische Weise produzierende Artefakte charakterisierte. Was zuvor noch durch die Hand des Künstlers in Tagwerken bewerkstelligt wurde, schien nun „von selbst“ im Zuge der Fotografie/des Fotogramms als Bild der Natur zur Darstellung zu gelangen, womit der Beginn einer programmatischen Beziehung des sich abzubildenden Objektes und seiner selbsttätigen Aufzeichnungstechnik festgelegt wurde. Im Gegensatz zur linsenvermittelten, zentralperspektivisch aufgebauten Apparatfotografie, die einen transparenten Blick auf die sich einstmals vor der Kamera befindliche Welt durch die Materialität der Fotografie hindurch ermöglicht, bleibt das Fotogramm hingegen unter Sichtbarkeit seiner eigenen Faktur nahe am Material und zeigt eine grundsätzliche stilistische Abstraktionstendenz an. Als Medium einer „ressemblance par contact“ (Didi-Huberman) ermöglicht das Fotogramm ein direktes „Eingreifen“ auf die lichtsensible Platte und erfährt in dieser Betrachtungsweise die Möglichkeit einer freien Kreation. In dieser Hinsicht soll die zentrale Rolle der Taktilität und die damit einhergehenden Marginalisierungstendenzen innerhalb der Fotografiegeschichtsschreibung an einerseits wissenschaftlichen als auch künstlerischen Verwendungsweisen des Fotogramms erprobt werden. Ziel dieser Arbeit ist die fotogrammatische Technik mithilfe einer strukturellen Analyse ihrer spezifischen Medialität, ihrer künstlerischen Qualitäten und Bezugsgrößen zu verhandeln, um ein von der Fotografietheorie bisher vernachlässigtes Gebiet aufzuarbeiten.



CV

Katharina Steidl studierte Kunstgeschichte, Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an den Universitäten Wien und Zaragoza. In ihrer Magisterarbeit beschäftigte sie sich mit Brassaïs fotografischer Serie Pariser Graffiti der 1930er-Jahre und deren Bezügen zu Surrealismus und Ethnografie. Sie arbeitet zum Fotogramm im 19. Jahrhundert am Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften der Akademie der bildenden Künste Wien. Von März 2009 bis Februar 2011 war sie DOC-Stipendiatin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und von April bis September 2010 Junior Visiting Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) in Wien.



Publikationen

Impressed by nature’s hand. Zur Funktion der Taktilität im Fotogramm, in: Uwe Fleckner, Iris Wenderholm, Hendrik Ziegler (Hg.), Das magische Bild. Techniken der Verzauberung vom Mittelalter bis zur Gegenwart (Mnemosyne. Schriften des Internationalen Warburg-Kollegs), Berlin [in Vorbereitung].

05
Mai
2011
  • Lecture
IFK
Katharina Steidl

Der kleine, raue Bruder der Fotografie, das Fotogramm, steht im Mittelpunkt von Katharina Steidls Vortrag. In vielen Werken der Fotogeschichtsschreibung wird dem Fotogramm eine eigene Medialität abgesprochen – Katharina Steidl wird sie entwickeln.

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