Martin Treml
IFK_Senior Fellow


Zeitraum des Fellowships:
01. März 2019 bis 30. Juni 2019

Martin Treml

PROJEKTTITEL

Freuds Psychoanalyse als Übersetzung des Judentums



PROJEKTBESCHREIBUNG

Sigmund Freuds Psychoanalyse ist trotz seines Unglaubens tief in der jüdischen Religionskultur verwurzelt, Produkt eines hybriden, „hellenistischen" Judentums. Vor allem seine Selbstanalyse, die der Traumdeutung wesentlich eingeschrieben ist, zeigt, wie er, ausgehend von einem eingebildeten Ägypten über ein imaginiertes Athen und ein geträumtes Rom, im Wien um 1900 – einer Weltstadt und seinem eigentlichen Jerusalem – eine Theorie erarbeitete, die zutiefst Persönliches in Wissenschaft sublimierte. Bei dieser Arbeit hat ihm Religion als Speicher von Symbolen wesentlich geholfen. Ziel ist außer dem Gewinn neuer Erkenntnisse über Freuds Theorie auch der von Elementen für eine Theorie der Religion in der Dialektik der Säkularisierung von Entzauberung und Wiederverzauberung der Welt.



CV

Martin Treml ist Religionswissenschafter und Judaist und arbeitet seit 2000 am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin in leitender Funktion, zurzeit am Forschungsprojekt „Aby Warburg und die Religionskulturen“; Promotion bei Klaus Heinrich (FU Berlin) über Paulus; Fellowships in Jerusalem, London, Weimar, Stanford und Innsbruck; Herausgeber von Texten von Erich Auerbach, Jacob Taubes und Aby Warburg; Arbeitsschwerpunkte: Kulturtheorie um 1900, westliche Religionskulturen, Kultur- und Literaturgeschichte des deutschen Judentums, Antike.



Publikationen

gem. mit Zaal Andronikashvili u. a. (Hg.), Die Ordnung pluraler Kulturen. Figurationen europäischer Kulturgeschichte, vom Osten her gesehen, Berlin 2014; gem. mit Sabine Flach und Pablo Schneider (Hg.), Warburgs Denkraum. Materialien, Motive, Formen, München 2014; gem. mit Silvia Horsch (Hg.), Grenzgänger der Religionskulturen. Kulturwissenschaftliche Beiträge zu Gegenwart und Religion der Märtyrer, München 2011.

06
Mai
2019
18:15
  • Lecture
IFK
Martin Treml

Wien um 1900 war auch eine ostjüdische Stadt, in der sich die zweite Generation der aus Böhmen oder Galizien Gekommenen schnell akkulturierte – so auch Freud. Aber vieles blieb lebendig, selbst ohne koschere Küche. Freud verstand sich als „gottloser Jude“, doch ist Glauben im Judentum ohnehin nicht so wichtig wie die Einhaltung religionsgesetzlicher Regelungen, der Halacha.

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