Michael Hagner
IFK_SENIOR FELLOW


Zeitraum des Fellowships:
01. Oktober 2015 bis 31. Januar 2016

Michael Hagner

PROJEKTTITEL

Die zwei Kulturen revisited



PROJEKTBESCHREIBUNG

In diesem Forschungsprojekt geht Michael Hagner von der These aus, dass die Überwindung der zwei Kulturen, also der Natur- und der Geisteswissenschaften, wie sie seit einigen Jahrzehnten programmatisch vertreten wird (auch von ihm selbst), einer gründlichen Revision bedarf. Zwar gibt es wissenschaftliche Bereiche wie Klimaforschung oder Gentechnologie, die sich dem Zugriff einer einzigen Wissenschaftskultur vollständig entziehen, doch in anderen Wissensbereichen scheint die Konvergenz der beiden Kulturen ganz auf Kosten der Geisteswissenschaften zu gehen. Ausgehend von dieser Vermutung möchte Michael Hagner anhand einer exemplarischen Untersuchung der letzten 30 Jahre die Berührungspunkte zwischen Geistes- und Naturwissenschaften markieren und zeigen, worin überhaupt die Effekte dieser gegenseitigen Kontamination bestanden haben. Wo sind die Schnittstellen zwischen den verschiedenen Überwindungsdiskursen und den praktischen Implementierungen interdisziplinärer Forschungen? Welche Wissensansprüche sind aus den sich bewegenden zwei Kulturen hervorgegangen bzw. welche sind an sie herangetragen worden? Welche epistemischen Tugenden und Praktiken teilen Natur- und Geisteswissenschaften, bei welchen unterscheiden sie sich bis zur gegenseitigen Verständnislosigkeit, und an welchen Punkten haben grundlegende Verschiebungen stattgefunden? Und schließlich: Wie sind diese Veränderungen im Zuge des sogenannten akademischen Kapitalismus zu sehen, der sich der Universitäten seit zwei Jahrzehnten bemächtigt hat?



CV

Nach dem Studium der Medizin und Philosophie an der Freien Universität Berlin forschte und lehrte Michael Hagner zuerst als Neurophysiologe, dann als Wissenschaftshistoriker in Berlin, London, Lübeck und Göttingen, bevor er 1995 an das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin ging. Seit 2003 ist er Professor für Wissenschaftsforschung an der ETH Zürich.



Publikationen

Zur Sache des Buches, Göttingen 2015; (Hg.), Wissenschaft und Demokratie, Berlin 2012; Der Hauslehrer. Die Geschichte eines Kriminalfalls, Berlin 2010; Der Geist bei der Arbeit. Historische Untersuchungen zur Hirnforschung, Göttingen 2006; Geniale Gehirne. Zur Geschichte der Elitegehirnforschung, Göttingen 2004; (Hg.), Ansichten der Wissenschaftsgeschichte, Frankfurt/Main 2001.

12
Oktober
2015
  • Lecture
IFK
Michael Hagner

In dem kanonischen Text „Das postmoderne Wissen“ (1979) bezog Jean-François Lyotard seine These von der Delegitimierung des Wissens im Prinzip auf alle Wissenschaften und argumentierte, dass nur diejenigen Forschungsbereiche überleben werden, die zur Optimierung des politisch-ökonomischen Systems beitragen.

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