Paul Keckeis
IFK_Junior Fellow


Zeitraum des Fellowships:
01. Oktober 2011 bis 30. Juni 2012

Paul Keckeis

PROJEKTTITEL

Ich-Buch, Feuilleton, Roman „und ähnlich“. Robert Walser und die Gattungsbewegungen der Moderne



PROJEKTBESCHREIBUNG

Im Zusammenhang von politischen und kulturellen, medialen Verschiebungen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts wird die Ordnung der literarischen Gattungen neu verhandelt. Die Dissertation untersucht das Ensemble der literarischen Gattungen, wie es sich über die semantische Dimension der Gattungsbegriffe in Texten von Robert Walser erschließt, als produktionsästhetisches Paradigma. Im Blick auf andere Autoren (Heinrich von Kleist, Adalbert Stifter, Hugo von Hofmannsthal, Robert Musil) wird Autorschaft als bestimmte Gattungskonstellation am Schnittpunkt verschiedener Diskurse der Moderne analysiert. Damit wird eine pragmatische Dimension der Gattungen fokussiert, in der soziologische und ästhetische Gattungsbegriffe vermittelt und lebensweltliche Erfahrungen der Moderne reflektiert sind.

Die gattungsmäßige Perspektivierung der Texte von Robert Walser ist ein Desiderat der Walser-Philologie und gibt zugleich Aufschluss über die Möglichkeiten der Gattungen in der Literatur der Moderne; Walsers Prosa ist richtungweisend im Kontext der Gattungsbewegungen der Moderne. Ohne programmatischen Kompass und ausgestattet mit einem außerordentlich präzisen Sensorium für die Ideologeme und narrativen Paradigmen, die verschiedenen Gattungsbegriffen zugrunde liegen, navigiert Walser durch die Gattungskonstellationen seiner Zeit.

Zu einer detaillierten Analyse der Texte wird nach theoretischen Voraussetzungen und methodologischen Anforderungen an gattungsmäßige Perspektiven auf die Literatur der Moderne gefragt. Dabei wird im Besonderen auf solche Momente im gattungstheoretischen Diskurs Bezug genommen, in welchen die kritische Konstellation von Autorschaft und Gattung virulent wird (u. a. Friedrich Schillers "Über naive und sentimentalische Dichtung", Maurice Blanchots "La folie du jour" und Jacques Derridas "La loi du Genre"). So versteht sich die Arbeit als ein Beitrag zur Erforschung der Möglichkeiten der Rede von Gattungen.



CV

Paul Keckeis studierte Germanistik und Geschichte an der Universität Wien und an der University of Cambridge. Er ist Doktorand am Institut für Germanistik der Universität Wien.



Publikationen

Magical Narratives – Variations on Romance. Notes on "Magical Narratives" and The Political Unconscious. A Comparative Analysis of Fredric Jameson’s Dialectical Use of Genre Criticism (in Vorbereitung).

23
April
2012
  • Lecture
IFK
Paul Keckeis

An Robert Walsers Textoberflächen tummeln sich die Gattungen der Literatur scheinbar inflationär; tatsächlich sind die Texte aber höchst absichtsvoll in den Bedeutungshorizont der literarischen Gattungen eingeschrieben. Am Beispiel Walser diskutiert Paul Keckeis die Möglichkeiten der Gattungen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts.

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