Paul Weindling
STADT WIEN/IFK_FELLOW


Zeitraum des Fellowships:
01. März 2018 bis 30. Juni 2018

Paul Weindling

PROJEKTTITEL

Neurologie in Österreich 1918-1960: Spannungen, Transformationen, Translationen und Traumata



PROJEKTBESCHREIBUNG

Die österreichische Neurologie war ein wissenschaftlich hoch innovatives Feld. Das zeigte sich sowohl in den Kliniken und Laboratorien, als auch in der konzeptuellen Ausrichtung des Fachs, das sich an der Philosophie, Psychoanalyse und an breiteren kulturellen Bewegungen orientierte. Eine Kernfrage ist, wie sich der Nationalsozialismus auf die österreichische Neurologie ausgewirkt hat. Medizinische Organisationen und Fachgebiete in Deutschland haben sich mit ihrem Handeln im Nationalsozialismus auseinandergesetzt, in Österreich ist das aber nur in sehr begrenztem Ausmaß passiert. Sofort nach dem Anschluss begannen medizinische Fachgebiete mit der „Gleichschaltung”; jüdische und politisch „unerwünschte“ Mitglieder wurden ausgeschlossen, die Umsetzung der nationalsozialistischen Rassen- und Gesundheitspolitik unterstützt. Was sich im Fachgebiet Neurologie zutrug, ist nach wie vor nahezu unerforscht.



CV

Paul Weindling ist Research Professor für Medizingeschichte an der Oxford Brookes University. Weindling war Mitglied unterschiedlicher beratender Kommissionen zum Thema Nationalsozialismus: Von 1999-2004 forschte er zur Max-Planck-Gesellschaft und zu deren Vorgängerorganisation, der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft; 2005-2009 zum Robert Koch Institut; und 2010-2012 zur Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Aktuell ist er Co-Präsident der Kommission der Universität Straßburg zur Erforschung der medizinischen Fakultät der Reichsuniversität Straßburg zwischen 1941-1944. Des Weiteren arbeitet er seit Kurzem an einem Projekt zur Erforschung der Lebensgeschichten von PatientInnen, die im Namen der Forschung an den Instituten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft getötet wurden. Weindling erhielt 2015 den Anneliese Maier-Forschungspreis der Alexander von Humboldt Stiftung und ist Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, sowie Ehrenmitglied der DGPPN. Er engagiert sich als Trustee bei CARA (Council for Assisting Refugee Academics), einer Organisation zur Unterstützung von verfolgten oder bedrohten AkademikerInnen.



Publikationen

Selected publications: with Herwig Czech (eds.), Österreichische Ärzte und Ärztinnen im Nationalsozialismus, DOEW Jahrbuch, Vienna 2017; Victims and Survivors of Nazi Human Experiments: Science and Suffering in the Holocaust, London 2014; John W. Thompson, Psychiatrist in the Shadow of the Holocaust, Rochester 2010.

Jüdische Ärztinnen und Ärzte in Wien 1938 und ihr Beitrag zum Gesundheitswesen: Vortrag von City of Vienna/IFK_Fellow Paul Weindling

Im Rahmen der Tagung "Anschluss" im März 1938: Nachwirkungen auf Medizin und Gesellschaft, einer Initiative des Alumni Clubs der MedUni Wien, wird City of Vienna/IFK_Fellow Paul Weindling den Vortrag Jüdische Ärztinnen und Ärzte in Wien 1938 und ihr Beitrag zum Gesundheitswesen halten.

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Medizinische Forschung und NS-Verfolgung: Aktuelle Projekte und Debatten

Paul Weindling (Halle/IFK Wien)  Brain tissues generated by Nazi psychiatrists at Kaiser Wilhelm Institutes, and their post-war use, 1940–2017  ><  Vortrag in englischer Sprache

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„Medical Ethics in the 70 Years after the Nuremberg Code, 1947 to the Present“

 

Einladung zur Präsentation des Tagungsbandes

„Medical Ethics in the 70 Years after the Nuremberg Code, 1947 to the Present“

Vorgestellt von Christiane DRUML, Herwig CZECH, Paul WEINDLING

Moderation:

Marlene NOWOTNY, ORF

Wann: 20. Juni 2018, um 17.00 Uhr

Wo: Josephinum Währinger Straße 25, 1090Wien

Anmeldung unter: josephinum@meduniwien.ac.at

 

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19
März
2018
18:15
  • Lecture
IFK
Paul Weindling

The issue of the provenance of medical specimens deriving from victims of Nazi atrocities has been addressed in various ways since the late 1980s. Academic institutions have systematically denied and lied, collectively buried without identifying the victims, or secretly disposed of victim body parts. By way of contrast, the named burials and commemoration of the Spiegelgrund victims have established a model of best practice.

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