Peter Utz
IFK_Senior Fellow


Zeitraum des Fellowships:
01. Oktober 2014 bis 31. Januar 2015

Peter Utz

PROJEKTTITEL

Schöpfen aus dem „Zitatenteich“. Intertextuelle Praktiken in der Generation nach der Jahrhundertwende



PROJEKTBESCHREIBUNG

Robert Musil stellt 1931 fest, das „Zitieren“ sei zwar äußerlich aus der Mode gekommen, es habe sich aber ins Innere der Literatur zurückgezogen. Diese gleiche „einem Zitatenteich, worin sich die Strömungen nicht nur sichtbar fortsetzen, sondern auch in die Tiefe sinken und aus ihr wieder aufsteigen“. Tatsächlich verändern sich die Praktiken der Intertextualität nach der Jahrhundertwende: Im medialen Wandel, der auch das Selbstverständnis von literarischer Autorschaft berührt, löst sich die Aneignung fremder Rede und literarischer Traditionen vom geschriebenen Wort, wird zur mündlich-performativen, theatralischen Inszenierung, referiert auf das Bildgedächtnis bis hin zur aktuellen Werbung, zeigt aber in der Collage auch die Materialität des fremden Wortes vor. An Beispielen von Robert Walser, Karl Kraus, Robert Musil, Franz Kafka, Arthur Schnitzler und anderen soll untersucht werden, wie dieser Abschied vom klassischen Zitat und vom Zitat des Klassischen in der literarischen Moderne zu einem schöpferischen Schub führt. 



CV

Peter Utz ist seit 1987 ordentlicher Professor für Neuere deutsche Literatur an der Universität Lausanne. Von 2006 bis 2011 war er Stiftungsrat der Kulturstiftung Pro Helvetia, Präsident der Gruppe Literatur und Gesellschaft sowie Stiftungsrat des Robert-Walser-Zentrums Bern. Seine Forschungsschwerpunkte sind: Goethezeit, Jahrhundertwende, besonders Robert Walser, literarisches Feuilleton, Literatur aus der Schweiz, Gegenwartsliteratur, literarisches Übersetzen.



Publikationen

(u. a.): Kultivierung der Katastrophe. Untergangsszenarien in den Literaturen der Schweiz, München 2013; Anders gesagt – autrement dit – in other words. Übersetzt gelesen: Hoffmann, Fontane, Kafka, Musil, München 2007 (japan. Übers. 2011); Das Auge und das Ohr im Text. Literarische Sinneswahrnehmung in der Goethezeit, München 1990; Tanz auf den Rändern. Robert Walsers „Jetztzeitstil“, Frankfurt/Main 1998 (frz. Übers. 2001).

17
November
2014
  • Lecture
IFK
Peter Utz

Jene „geflügelten Worte“, mit denen sich die bürgerliche Literatur ihre Bildung bewies, verlieren zu Beginn des 20. Jahrhunderts ihren Kurswert. An ihre Stelle treten neue Praktiken der Intertextualität, mit denen die Generation von Musil, Benjamin, Kraus, Kafka oder Robert Walser dem, was sie noch von der Väterkultur ausborgt, resolut eine neue, andere Stimme gibt.

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