Susanne Bauer
IFK_SENIOR FELLOW


Zeitraum des Fellowships:
01. Oktober 2014 bis 31. Januar 2015

Susanne Bauer

PROJEKTTITEL

Imaginationen der Kontrolle: Risikomodellierungen und nukleare Ökologien am Ende des Kalten Krieges



PROJEKTBESCHREIBUNG

Risikokennzahlen, Grenzwerte und Bevölkerungsstudien erscheinen vielfach als universelle Infrastrukturen der Bewertung und Regulation von Strahlenrisiken. Analysiert man die konkreten Praktiken der Risikoabschätzung von Fallout-Expositionen um Semipalatinsk (heute: Semei, Kasachstan), ergeben sich neue Situierungen der Risiko-Dispositive sowie Vervielfältigungen nuklearer Realitäten. Untersucht man die konkreten Praktiken der Risikoforschung in der Region Semipalatinsk, werden nukleare Ökologien als heterogene Assemblagen sichtbar. Beispielsweise mobilisieren epidemiologische Beobachtungstechniken ganze Bevölkerungsgruppen und ihre Expositionen und Erkrankungen als Ressource für die Validierung bestehenden Risikowissens. Welche Effekte und Neuzusammensetzungen ziehen diese Praktiken der Risikomodellierung nach sich, welche Umordnungen und welche ontologische Politik bringen sie hervor?



CV

Nach ihrem Studium der Umweltwissenschaften (DI, TU Berlin 1997), mehrjähriger Forschungstätigkeit und Promotion in Public Health (Universität Bielefeld 2004) wechselte Susanne Bauer in die Wissenschafts- und Technikforschung. Ihre derzeitigen Forschungsinteressen liegen an der Schnittstelle von Kulturwissenschaften, Wissensgeschichte und Wissenschafts- und Techniksoziologie. Sie war Co-Kuratorin der Ausstellung „Split+Splice. Fragments from the Age of Biomedicine“ am Medicinsk Museion der Universität Kopenhagen sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Europäische Ethnologie, Humboldt-Universität zu Berlin, und am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte. Derzeit arbeitet sie unter anderem zu nuklearen Ökologien im postsowjetischen Kasachstan sowie zu Infrastrukturen und sozialer Zirkulation von Risiko-Scores.



Publikationen

Virtual Geographies of Belonging. The Case of Soviet and Post-Soviet Human Genetic Diversity Research, in: Science, Technology & Human Values 39(4), 2014, S. 510–36; From Administrative Infrastructure to Biomedical Resource. Danish Population Registries, the „Scandinavian Laboratory“, and the „Epidemiologist’s Dream“, in: Science in Context 27(2), 2014, S. 187–213; gem. mit Martha Fleming und Jan Eric Olsén: Im Zwischenraum von Labor und Museum: Eine Ausstellung zur Biomedizin, in: Anke te Heesen, Margarete Vöhringer (Hg.), Wissenschaft im Museum. Ausstellung im Labor. Berlin 2014, S. 174–195; The Health Impact of Atmospheric Nuclear Testing. Cancer Epidemiology in Areas Adjacent to the Semipalatinsk Nuclear Test Site, Kazakhstan, Frankfurt/Main/New York 2006.

03
November
2014
  • Lecture
IFK
Susanne Bauer

Im Zuge der Auflösung der UdSSR und der Unabhängigkeit Kasachstans wurde das Atomtestgelände bei Semipalatinsk offiziell geschlossen. Die Institute der ehemals streng abgeschirmten, nach dem Atomphysiker Kurtschatow benannten Wissenschaftsstadt auf dem Testgelände wurden in den frühen 1990er-Jahren in ein nationales Nuklearzentrum umgewidmet. Die Wissenschaftsforscherin Susanne Bauer auf den Spuren postsowjetischer nuklearer Ökologien.

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