Valentin Seidler
IFK_Research Fellow


Zeitraum des Fellowships:
01. Oktober 2015 bis 31. Januar 2016

Valentin Seidler

PROJEKTTITEL

Beamte, Empire und die Spielregeln Europas



PROJEKTBESCHREIBUNG

Soziale und ökonomische Institutionen, die Spielregeln moderner Demokratien und Markwirtschaften, gelten als maßgeblich für langfristiges Wirtschaftswachstum. Das selektive Kopieren von vermeintlich erfolgreichen Institutionen aus anderen Ländern ist eine Strategie, die bisher mit recht unterschiedlichem Erfolg angewandt wurde. Die Reformen der Meiji-Restauration, der EU-Erweiterung oder der Strukturanpassungsprogramme der Weltbank sind Beispiele. Aus institutioneller Sicht ist das Anpassen fremder Normen an den lokalen Kontext unumgänglich. Wieso wird dieses Anpassen oft vernachlässigt? Wer sind die Akteure, und unter welchen Voraussetzungen arbeiten sie? Valentin Seidler untersucht die Rolle von lokalen und britischen Beamten in der Staatenbildung ehemaliger Kolonien. Mit Ende der Kolonialzeit wurden soziale und ökonomische Institutionen im Eilverfahren in die neuen unabhängigen Staaten übertragen. Ca. 15.000 lokale und britische Beamte hatten Schlüsselpositionen in diesem Prozess inne und befanden sich gleichzeitig im Spannungsfeld zwischen jungen politschen Bewegungen und ihrer eigenen Zukunftsplanung.



CV

Nach dem Studium der Betriebswirtschaften und der Politikwissenschaften ist Valentin Seidler für das Internationale Rote Kreuz in Afrika, Europa und Asien tätig. Mit der Promotion 2011 im Fach Volkswirtschaft beginnt seine Forschungs- und Lehrtätigkeit am Institut für Internationale Entwicklung an der Universität Wien. Von 2014 bis 2015 forscht Seidler als Visiting Scholar am Institute for Advanced Study in Princeton. Seine 2014 erschienene Studie über die Rolle von informellen Institutionen in Nord-Nigeria ist für den Elinor Ostrom Award 2015 nominiert. Seidlers Forschungsinteresse liegt im Verständnis von sozialen und ökonomischen Institutionen, die als maßgeblich für langfristiges Wirtschaftswachstum verstanden werden. In den letzten Jahren hat er sich eingehend mit dem Kopieren von Institutionen, sogenannten institutionellen Transplanten, beschäftigt. Seidler lehrt institutionelle und heterodoxe Ökonomie sowie Entwicklungsökonomie an der Universität Wien.



Publikationen

When do institutional transplants work? The relation between institutions, culture and the transplant effect: the case of Borno in north-eastern Nigeria, in: Journal of Institutional Economics 10 (3), 2014, S. 371–397; Colonial Legacy and Institutional Development –The Cases of Botswana and Nigeria, Wien 2011.

30
November
2015
  • Lecture
IFK
Valentin Seidler

Als Robert Langley im Jahr 1933 in den britischen Kolonialdienst eintrat, ahnte er wohl nicht, dass er rund ein Vierteljahrhundert später an der Unabhängigkeit Ugandas mitarbeiten würde. Nach dem Zweiten Weltkrieg kopierten insgesamt 15.000 nationale und britische Beamte die Spielregeln europäischer Institutionen in die verschiedensten Gesellschaften Afrikas, Asiens und Lateinamerikas – unter unterschiedlichen Voraussetzungen.

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