08.06.2009

Björn Blauensteiner: Pieter Bruegel und die Marke Bosch

"Antwerpen, 1557: Hieronymus Cocks Druckgrafikverlag ""in de vier winden"" gibt den Kupferstich ""Die großen Fische fressen die Kleinen"" heraus. Obwohl der Stich auf einer bis heute erhaltenen Zeichnung Pieter Bruegels d. Ä. basiert, führt der Verlag Hieronymus Bosch als ""Inventor"" an. Die ""Marke"" Bosch scheint zur Mitte des 16. Jahrhunderts zu ziehen. Das war auch dem damals jungen Bruegel bewusst, dessen Arbeiten stark von der Bilderwelt des Meisters aus Hertogenbosch beeinflusst sind.
In seinem Vortrag sieht Blauensteiner von einer Thematisierung der motivischen Einflusssphäre ab und konzentriert sich auf kompositionelle Aspekte im Werk der beiden Künstler. In seinem Aufsatz ""Die 'Macchia' Bruegels"" von 1934 ortete der österreichische Kunsthistoriker Hans Sedlmayr in Bildern wie den ""Kinderspielen"", dem ""Kampf zwischen Fasching und Fasten"" und den ""Niederländischen Sprichwörtern"" eine sich vom Raumgrund abhebende ""Menge gleichartiger isolierter Flecken"". Dieses sämtliche Bedeutungshierarchien zwischen den einzelnen Bilddetails eliminierende und also camouflagierende Prinzip sieht Blauensteiner in Hieronymus Boschs ""Garten der Lüste"" vorgebildet, welchen er als Einflussquelle für Pieter Bruegel d. Ä. vorstellt. Das Madrider Triptychon sei als manieristisches Rätselbild begriffen, in dem Bosch eher andeutet und verhüllt als allgemeinverständlich zu vermitteln - ein Verständnis, das Pieter Bruegel d. Ä. später seinerseits in Gemälden wie dem ""Sturz des Ikarus"" oder der ""Bekehrung Pauli"" zur Anwendung bringen sollte."

Pressemitteilung
Vortrag
IFK

Back