14
März
2018
  • Guest Lectures
IFK
Isabel Enzenbach

ANGEZETTELT (1). Gesammeltes Grauen. Antisemitika als Objekte von Sammelleidenschaft

18:15

 

Das Haus eines Privatsammlers galt international als ganz besondere Adresse für alle, die antisemitische Originale für Ausstellungen suchten. Es barg zehntausende Objekte aller Facetten der Judenfeindschaft und des Nationalsozialismus. Der 2017 verstorbene Wolfgang Haney hatte sie über Jahrzehnte zusammengetragen. Ist der Tod des Sammlers auch der Tod der Sammlung?

 

„Man muss nämlich wissen: Dem Sammler ist in jedem seiner Gegenstände die Welt präsent, und zwar geordnet. Geordnet nach einem überraschenden, ja dem Profanen unverständlichen Zusammenhange“, schrieb Walter Benjamin. Für Wolfgang Haney war es die Welt der Judenfeindschaft und des Holocaust, die seine Sammlungsdinge in sich bargen. Aus der dem öffentlichen Blick verschlossenen Sphäre der Zirkulation brachte sie der Sammler in seine Hände und sein Haus. Dorthin gelangten auch Dinge fragwürdigster Provenienz, zugleich gewährte Wolfgang Haney internationalen Kuratoren freie Hand bei der Exposition seiner Schätze. Um der antifaschistischen Aufklärung zu dienen, wurden die Dinge ein drittes Mal aus ihren Kontexten gelöst. Für den Umgang mit der Sammlung nach seinem Tod traf Wolfgang Haney keine Entscheidung. Händler, Wissenschaft, Museum und Archive treten nun an die Erben heran. Der Vortrag reflektiert Entstehung, Gebrauch und das mögliche Ende einer der größten bekannten Antisemitika-Sammlungen im Prozess der Transformation.

 

Isabel Enzenbach promovierte 2009 in Neuerer Geschichte an der TU Berlin und forscht dort am Zentrum für Antisemitismusforschung. Von 2012 bis 2017 war sie Postdoc am Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg mit dem Forschungsprojekt Sticker und Stigmata. Antisemitische und kolonialrassistische Klebezettel ab 1850, aus dem die Ausstellung Angezettelt. Antisemitische und rassistische Aufkleber von 1880 bis heute entstand.

 

 

 

Die Ausstellung Angezettelt. Antisemitische und rassistische Aufkleber von 1880 bis heute, hervorgegangen aus dem oben erwähnten Forschungs- und Editionsprojekt zu Teilgebieten der Sammlung Wolfgang Haney, ist vom 23. Februar 2018 bis Mitte April in Wien, modifiziert als Wandzeitung des Studios Steinbrener/Dempf & Huber, zu sehen. Sie entstand in Kooperation des Zentrums für Antisemitismusforschung TU Berlin, der Wandzeitung Steinbrener/Dempf & Huber und des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes.

Drei Vorträge am IFK ergänzen die Präsentation als Begleitprogramm.

 

Ort: IFK

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