27
Mai
2011
  • Conference

Die totale Erfassung der Welt. Zur Geschichte fotografischer Messbilder

Gegenwärtig diskutieren wir die Risiken und Errungenschaften von Google Street View oder Google Earth. Doch fotografische Messbilder haben eine Vorgeschichte, die bis weit in das 19. Jahrhundert zurückreicht. Bei dieser Tagung geht es um kulturwissenschaftliche Perspektiven auf technische Bilder, mit denen ein Versprechen der totalen Erfassbarkeit der Welt verbunden ist.



1858 wäre der deutsche Bauingenieur Meydenbauer bei von Hand ausgeführten Vermessungsarbeiten am Dom von Wetzlar fast vom Gerüst gefallen. Er sah sich dadurch nach eigener Aussage genötigt, die viel sicherere „Meßbildkunst“ zu erfinden. Im gleichen Jahr präsentierte Nadar sein erstes, aus 520 Metern Höhe aufgenommenes Luftbild, und der Militärarzt Chevallier ließ einen fotografischen Messtisch für die Erfassung topografischer Terrains patentieren. Solche Bilder scheinen einerseits am Ende einer langen Geschichte perspektivischer Aufnahmeverfahren zu stehen. Andererseits markieren sie den Beginn eines neuen Verfahrens – der Fotogrammetrie. Die noch vagen Versuche in der Herstellung präziser Bilder zeugen von dem Potenzial, welches der Fotografie schon früh zugesprochen wurde. Die Unklarheit über die Grenzen dieser neuen Bildtechnik zur fotografischen Erfassung der Welt setzte Imaginationen über ihre grenzenlose Anwendbarkeit in Gang. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts sollte die Fotogrammetrie verschiedenste Disziplinen wie die Kartografie, die militärische Aufklärung, die Architekturaufnahme oder die Archäologie revolutionieren. Wenn man sich die Luftbilder von Nadar oder die verzerrten Rundpanoramen von Chevallier ansieht, überkommen einen jedoch Zweifel, ob diese sich wirklich so nahtlos in die Geschichte einer Vermessung der Welt durch Bilder einfügen. Der Weg zu funktionierenden fotografischen Messbildern war einer des Ausprobierens, des Experimentierens und des Scheiterns, welcher vom Versprechen der Fotografie stetig vorangetrieben wurde.


Konzeption: Jan von Brevern (Kunsthistorisches Institut der Freien Universität Berlin), Katja Müller-Helle (Kunsthistorisches Institut der Freien Universität Berlin)
TeilnehmerInnen: Philippe Despoix (Département de littérature comparée, Université de Montréal), Peter Geimer (Kunsthistorisches Institut, Freie Universität Berlin), Omar Nasim (Wissenschaftsforschung, ETH Zürich), Friedrich Tietjen (Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig), Herta Wolf (Kunsthistorisches Institut der Universität zu Köln)

 

Messbilder abstracts Messbilder abstracts.pdf (156,4 kB)
Programm Messbilder Programm Messbilder.pdf (55,3 kB)

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