18
Juni
2018
  • Lecture
IFK

FIXIERTE BEWEGUNG. DIE FILMSAMMLUNGEN DER ENCYCLOPAEDIA CINEMATOGRAPHICA

18:15

Der Film sei für die Wissenschaft ein „Bewegungsdauerpräparat“, so formulierte es der Ingenieur und Gründer der Encyclopaedia Cinematographica Gotthard Wolf in den 1970er-Jahren. Was verstand er unter der Gattung des wissenschaftlichen Dokumentationsfilms, und welche Bedeutung spielten Praktiken des Sammelns und Archivierens für die Entstehung einer solchen Filmenzyklopädie?

 

Die Encyclopaedia Cinematographica war ein Projekt, an dem zahlreiche deutsche und österreichische Wissenschafter beteiligt waren, darunter Konrad Lorenz und Irenäus Eibl-Eibesfeld. Diese Filmsammlung wurde 1952 mit dem Anspruch angelegt, sämtliche menschliche, tierische, pflanzliche und maschinelle Bewegung systematisch zu erfassen und filmisch zu dokumentieren. Wissenschafter und Filmemacher aus aller Welt konnten Enzyklopädie-Beiträge aus den Bereichen Biologie, Ethnologie und Maschinenlehre liefern, für deren Erstellung strenge Regeln galten. Die Filme sollten frei von künstlicher Beleuchtung und filmischen Tricks sein, dafür aber verstärkt mit Methoden des Zeitraffers und der Zeitlupe arbeiten. Leitgedanke dieses Projekts war, den Film als Forschungsgegenstand aufzufassen, da mit seiner Hilfe die Abläufe von Bewegung und Verhalten immer wieder reproduziert werden konnten. Aus der Perspektive des Historikers ergibt sich aus diesem hier vorliegenden Material die Frage danach, wie Film überhaupt als materielle Quelle für die Forschung verwendet werden kann. Die Filme der Encyclopaedia Cinematographica erscheinen erst in einem klaren Licht, wenn sie vergleichend miteinander und in ihrem Entstehungskontext betrachtet werden. 

Anja Sattelmacher studierte Europäische Medienkultur in Weimar und Lyon und erwarb einen Master in Museum Studies an der Macquarie University Sydney. Die Promotion erfolgte 2017 im Fach Wissenschaftsgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Arbeit über die Wissensgeschichte mathematischer Modelle. Seit September 2017 ist sie Postdoktorandin am Berliner Zentrum für Wissensgeschichte (TU Berlin) und arbeitet an einem Projekt zum wissenschaftlichen Dokumentationsfilm der 1960er- und 1970er-Jahre. Derzeit ist sie IFK_Research Fellow.

 

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