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  • Conference
IFK

Der Erste Weltkrieg als Laboratorium für eine Politik der Sinne (Teil 3)

Die Verunsicherung der Sinne, das Auseinanderbrechen der gedeuteten Welt hat längst schon vor dem Ausbruch des Weltkrieges begonnen. Die Schrecken der Vernichtung und Zerstörung haben aber diesen Prozess rabiat vertieft. Gewalt im Krieg hat eine unmittelbar sinnliche Dimension.

 

CONFERENCE SERIES: A TIME FOR DESTRUCTION. THE GEO-POLITICS, TECHNO-POLITICS, AND SENSORY POLITICS OF WORLD WAR I

Politik im Krieg, so die These, ist zuerst Versicherung von Wahrnehmungsweisen und Sinnzuschreibungen angesichts der überwältigenden, die gedeutete Welt zerstörenden Konfrontation mit menschengemachtem Massentod. Wer hätte es nicht gelesen – oder vielleicht überlesen – unter dem Eindruck der starken Zeile „Denn das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang“? Kaum sechs Zeilen weiter heißt es in Rilkes „Erster Duineser Elegie“: „ … und die findigen Tiere merken es schon, dass wir nicht sehr verlässlich zu Hause sind in der gedeuteten Welt.“ Die Verunsicherung der Sinne fand ihren Anfang schon vordem Gewaltgetose des Ersten Weltkriegs. Die Schrecken der Vernichtung und Zerstörung haben aber diesen Verlauf vehement verstärkt. Gewalt im Krieg hat eine unmittelbar sinnliche Dimension. Dann erscheint es möglich, dass die Tiere diese letzte Schrecklichkeit des Krieges, die Zerstörung der Sicherheit der Wahrnehmung, eher begriffen haben als die Menschen, die Kombattanten wie die Nichtkombattanten. Denn die Menschen waren und sind gerade in Zeiten extremer Gewalt findig. Sie entwickeln scheinbar aus der hohlen Hand, in Wirklichkeit aber in Anverwandlung allgemein anthropologischer und partikulär kultureller Reservoirs von Selbstversicherungen, Taktiken und Politiken der Wahrnehmung, die ihnen auch eine zerstörte Sinneswelt lesbar machen. Sie erweitern und verengen den Blick; sie hören Gefahr; sie fühlen Tod; sie panzern den Körper der Wahrnehmung.

 

 

KONZEPTION:

Michael Geyer (Department of History, University of Chicago), Helmut Lethen (IFK, Wien),

Lutz Musner (VGA-Verein für Geschichte der Arbeiterbewegung, Wien)

 

TEILNEHMERINNEN:

Nicolas Detering (Deutsches Seminar – Neuere deutsche Literaturgeschichte, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg), Julia Encke (FAZ, Frankfurt/Main), Laura Engelstein (Department of History, Yale University), Michael Geyer (Department of History, University of Chicago), Valentin Groebner (Historisches Seminar, Universität Luzern), Hans-Georg Hofer (Medizinhistorisches Institut, Universität Bonn), Anton Holzer (Zeitschrift „Fotogeschichte “, Wien), Alexander Honold (Deutsches Seminar, Universität Basel), Anton Kaes (Department of German, University of California at Berkeley), Stefan Kaufmann (Institut für Soziologie, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg), Julia Köhne (Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien), Christoph Nübel (Institut für Geschichtswissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin)

 

 

Mit freundlicher Unterstützung von der Kulturabteilung der Stadt Wien

 

 

 

ACHTUNG PROGRAMMZUSATZ

 

20.11.2013

 

DISKUSSION UND FÜHRUNG DURCH DIE AUSSTELLUNG

Im Epizentrum des Zusammenbruchs. Wien im Ersten Weltkrieg

 

Alfred Pfoser, Andreas Weigl und Michael Geyer diskutieren in der Wienbibliothek im Rathaus über die Ausstellung und gleichnamige Publikation "Im Epizentrum des Zusammenbruchs. Wien im Ersten Weltkrieg."

 

Ort: Wien Bibliothek im Rathaus, Lesesaal, Rathaus, 1082 Wien

Zeit: 18.30Uhr (s. t.)

Ort: IFK

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