16
Dezember
2019
  • Lecture
IFK

ÜBERSETZER, BOTEN UND VERMITTLER. ZUR DIPLOMATISCHEN FUNKTION DER ÜBERSETZUNG (LOHENSTEIN, OPITZ – GENTZ, ADAM MÜLLER)

18:00
Titelkupfer des Romans Großmütiger Feldherr Arminius von Daniel Casper von Lohenstein, 1689 und 1690 © zeno.org

Wenn der Dichter und Gesandte Daniel Casper Lohenstein im 17. Jahrhundert die politische Klugheitslehre des spanischen Jesuiten Baltasar Gracián ins Deutsche überträgt, wird ein wechselvolles Verhältnis zwischen Diplomatie, Literatur und Übersetzung initiiert, das der Vortrag exemplarisch an Autoren der Frühen Neuzeit und der Romantik nachzeichnet. 

Der „ächte Übersetzer“, so der Dichter und Indologe A.W. Schlegel 1826, fungiert als „Bote von Nation zu Nation“. Der Romantiker Schlegel macht damit die vermittelnde Kraft der literarischen Übersetzung stark, die als Medium einer transnationalen und kulturellen Verständigung das Ideal eines kulturellen Kosmopolitismus um 1800 greifbar werden lässt. Vice versa kann jedoch auch die seit dem 17. Jahrhundert in Europa institutionalisierte Praxis der Diplomatie als eine Kulturtechnik verstanden werden, die es mit genuinen Übersetzungsproblemen – kultureller, politisch-rechtlicher und institutioneller Natur – zu tun hat.

Der Vortrag fragt nach dem Zusammenhang zwischen diplomatischen Konzepten der Vermittlung und einer Theorie und Praxis der Übersetzung am Beispiel von Autoren (Lohenstein, Opitz, Gentz, Adam Müller), in deren Werk die Schnittstellen zwischen missionarischem Dienst, Ästhetik und literarischer Übersetzung auch biografisch verbürgt sind. Dabei fokussiert der Vortrag mit der Frühen Neuzeit und der Romantik zugleich zwei europäische Krisenepochen, in denen die Aushandlung einer neuen politischen europäischen Ordnung zwischen souveränen Staaten ein Äquivalent auf sprachpolitischer Ebene findet und das „Recht [d]er eigenen Zunge“ (Moser 1750) bzw. die Forderung nach einer nationalen Sprachkultur und Literatur mit der Idee eines literarischen Universalismus, einer „Welt-Literatur“ in ein produktives Spannungsverhältnis gerät.

 Mareike Schildmann studierte Neuere deutsche Literatur und Philosophie und promovierte 2018 mit einer Arbeit zu Robert Walser und dem Kindheitswissen der Moderne an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie arbeitete von 2015 bis 2018 als wissenschaftliche Assistentin an der Universität Zürich und ist zurzeit Postdoktorandin am ZfL Berlin bzw. IFK_Research Fellow.

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Ort: IFK

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