21
Oktober
2020
  • Lecture
IFK

Wenn Forschen unbequem wird. Momente der Irritation und Unordnung in Interviews

18:15

In Interviews kann es – wie auch in anderen Gesprächsformen – zu Missverständnissen oder unangenehmen Momenten kommen, die in späteren Auswertungsprozessen oft ausgelassen werden. Sabine Lehner geht der unbequemen Auseinandersetzung mit diesen Irritationen nach und zeigt das Erkenntnispotenzial der Beschäftigung mit dem vermeintlichen Scheitern.

Interviews (in ihren vielfältigen Formen) zählen zum sozialwissenschaftlichen Methodenkanon, um beispielsweise Biografisches oder Meinungen von Individuen zu erheben. Die Beschäftigung mit auftretenden Problemen im Interviewgeschehen (wie fehlende Kooperation und Missverständnisse) oder mit der eigenen Involviertheit gilt als unbequem und wird daher in der Analyse und Interpretation oft ausgeblendet. Dieser Vortrag fokussiert auf irritierende Momente in Interviews mit AsylwerberInnen, die Einblicke in belastende Erinnerungen und prekäre Lebensumstände in Österreich geben. Es werden Situationen beleuchtet, in denen die Interaktionsordnung gefährdet scheint: Momente des unerwarteten („unkooperativen“) Verhaltens, Spotts, Widerstands und anderer Gesichtsbedrohungen. Ausgehend von einem positionierungstheoretischen Ansatz versteht Sabine Lehner diese Momente nicht als Scheitern des Interviews, sondern als Schlüsselmomente, da gerade in der Brüchigkeit Ordnungen sichtbar werden.

 

 

Sabine Lehner ist Doktorandin am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien, wo sie an mehreren Projekten (FWF, ÖAW-DOC) beteiligt war. In ihrem Dissertationsprojekt beschäftigt sie sich mit Grenz- und Raumrepräsentationen in österreichischen öffentlichen Diskursen über Asyl und in Narrativen von Geflüchteten. Derzeit ist sie IFK_Junior Fellow.

 

DER VORTRAG WIRD IN ANWESENHEIT DER IFK_FELLOWS PER ZOOM ÜBERTRAGEN. WIR FREUEN UNS AUF IHRE ONLINE-TEILNAHME! LINK folgt

Weitere Informationen zu Sabine Lehner

Ort: IFK

Zurück