11
Mai
2020
  • Lecture
IFK

Koloniale Geister in ethnologischen Museen. Revision der Sammlung Leo Frobenius aus Westafrika

18:15
Inventarkartenzeichnung eines Maskenaufsatzes aus Mali, Federzeichnung auf Büttenpapier, aquarelliert, Museum am Rothenbaum, Hamburg, undatiert

 

Ethnologische Museen und ihre Verstrickungen mit der europäischen Kolonialgeschichte sind derzeit Gegenstand hitziger Debatten. Angesichts ihrer problematischen Sammel- und Repräsentationspraxis stellt sich die Frage, wie mit ethnologischen Sammlungen heute, jenseits kolonial geprägter, eurozentrischer Sichtweisen, umgegangen werden soll.

Ein Paukenschlag war der 2018 veröffentlichte Bericht des senegalesischen Ökonomen Felwine Sarr und der französischen Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy, in dem sie für eine umfassende Rückgabe sämtlicher unrechtmäßig erworbener Kulturgüter aus Subsahara-Afrika plädieren. Der Bericht entfesselte eine weltweit geführte Debatte über die Restitution ethnologischer Sammlungen an die Herkunftsländer und löste teilweise starke Emotionen aus.  Sie reichen von emphatischem Zuspruch bis hin zu Verunsicherung und Irritation. Werden nun alle Museen in Europa geleert? Wer entscheidet darüber, was mit den Kulturgütern passiert? Welche möglichen Umgangsweisen gibt es? 

Anhand einer bisher unerforschten Sammlung aus Westafrika, die der deutsche Ethnologe Leo Frobenius zwischen 1907 und 1909 im heutigen Mali – damals unter französischer Kolonialherrschaft – erworben hat, wird diesen Fragen nachgegangen. Dafür wird die Sammlung „entpackt“ und entlang ihrer Objektbiografien historisch aufgearbeitet und schließlich im Kontext gegenwärtiger Fragestellungen analysiert. Dabei kommt der Zusammenarbeit mit ExpertInnen aus den Herkunftsländern der Objekte sowie der kritischen Auseinandersetzung mit den Erwerbskontexten besondere Bedeutung zu.

Cécile Bründlmayer studierte Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien mit Schwerpunkt auf Museumstheorie und bildender Kunst. Sie war mehrere Jahre als kuratorische Assistentin für Sonderausstellungen sowie im Zuge der kompletten Neukonzeption und Neueinrichtung der Dauerausstellung am Weltmuseum Wien tätig. Danach arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Kuratorin am Humboldt Forum in Berlin mit dem Arbeitsschwerpunkt Postkolonialismus. Seit 2019 ist sie Dissertantin am Kunsthistorischen Institut, Abteilung Kunst Afrikas, der Freien Universität Berlin und derzeit IFK_Junior Fellow.

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Ort: IFK

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