08
Juni
2020
  • Lecture

PLEASURE IN A BOX. Über Möglichkeiten und Grenzen in der Vermittlung von Sexualkunde

18:15

Sexualität ereignet sich, erzeugt Überschüsse, kreist um Absentes. Sie lässt sich nicht restlos mit biologischen, theoretischen oder identitätspolitischen Kategorien fassen. Wie wird Sexualbildung dem gerecht, wenn sie ihren Gegenstand nicht behandeln will als bloß reproduktiv, obszön oder hedonistisch? Wie wird aufgefangen, was stets durch die Finger rinnt?

Scheinbar selbstverständliche Differenzierungen müssen in der Sexualdidaktik ständig neu verhandelt werden: Was ist öffentlich, was privat? Was Pornografie oder anatomische Wissenschaft? Was gehört überhaupt alles zur Sexualkunde – Schwangerschaft, Abtreibung, Lust, Begehren, Geschlechtervielfalt, Konsens, Verhütung, Sexualpraktiken ...? Was schwer zu greifen ist, wird gern über die Technik der Bündelung in Behältnissen habhaft gemacht. Der Vortrag untersucht dieses Container-Prinzip in der Vermittlung von Sexualwissen sowohl in pädagogischen als auch künstlerischen Bereichen, wie etwa bei VALIE EXPORTs Straßenaktionen oder Wilhelm Reichs Erfindung eines Orgonakkumulators. Welche ästhetischen, epistemischen und machtvollen Effekte haben solche Praktiken der Verschachtelung? Wie verhandeln sie Techne und Pathos, das Skurrile und das Konventionelle, Fragen des Ethischen und des Anders-Werdens?

 

Beate Absalon studierte Erziehungswissenschaften, Kulturwissenschaft und Contemporary Art Theory in Berlin und London. In ihrem Forschungsprojekt untersucht sie ästhetische und epistemische Verfahren zeitgenössischer Sexualbildung und analysiert, wie sich entlang der Risse konventioneller, sich an Beherrschungslogiken orientierender Diskurse widerständige, erfinderische und unerhörte Sexualauffassungen artikulieren. Beate Absalon ist IFK_Junior Fellow.

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