IFK_Sommerakademie 2021: 15.–21.08.2020, Magdas Hotel, Wien: "Transformationen kultureller und gesellschaftlicher Mobilität"

 

Wir leben in zunehmend mobilen Gesellschaften und Kulturen. Diese Mobilität wird häufig erzwungen. Nach den aktuellen UNHCR-Statistiken waren Ende 2019 etwa 79,5 Millionen Menschen auf der Flucht vor kriegerischen Konflikten und politischer Verfolgung: 26 Millionen Geflüchtete, 45,7 Millionen Binnenvertriebene, 4,2 Millionen Asylsuchende. Rund 80 Prozent der Geflüchteten leben in den Nachbarländern ihrer Heimatstaaten. Im selben Jahr 2019 wurden nach Angaben der UNWTO nahezu 1,5 Milliarden internationale Reiseankünfte gezählt; im Jahr 1950 waren es im Vergleich etwa 25 Millionen. Auch der grenzüberschreitende Warenverkehr und Außenhandel nimmt unentwegt zu: Wie oft essen wir Lebensmittel, die aus entfernten Ländern mit Flugzeugen in unsere Supermärkte transportiert wurden!

Die außerordentlichen Steigerungen gesellschaftlicher und kultureller Mobilität führen allerdings auch zu wachsender Kritik. So forciert etwa die Wahrnehmung des sich beschleunigenden Klimawandels eine Auseinandersetzung mit Auto- und Flugverkehr; die Corona-Krise hat seit 2020 zu erheblichen Reisebeschränkungen geführt, während sich der Neologismus „Flugscham“ in zahlreichen Sprachen verbreitete. Zeitgenössische Autoren und Autorinnen – wie Tomas Espedal, David Le Breton, Michèle Métail, Christoph Ransmayr oder Rebecca Solnit – beschwören dagegen die vergessene Kunst des Gehens. Bei der Lektüre ihrer Plädoyers für die Wanderlust vergisst das Lesepublikum allzu rasch, dass die Flucht aus unbewohnbaren Zonen oder vor Kriegen und Pandemien ohnehin oft zu Fuß angetreten werden muss.

Mobilität ist ein vielgestaltiges Phänomen, das nicht nur fast alle Lebensbereiche betrifft, sondern auch zahlreiche Disziplinen, die im neuen Forschungsfeld der „Mobility Studies“ kooperieren. Die Zusammensetzung der Fakultät spiegelt diese Vielfalt: Sie vereint historische, anthropologische, geografische, sozialwissenschaftliche, literatur-, kultur- und medienwissenschaftliche Perspektiven.

Die IFK_Sommerakademie 2021 wird in Kooperation mit der 2014 gegründeten Forschungsplattform „Mobile Kulturen und Gesellschaften“ sowie dem 2019 eingerichteten FWF-doc.funds-Projekt „Cultural Mobility Studies“ an der Universität Wien durchgeführt. Mit dieser Kooperation sollen möglichst viele NachwuchswissenschafterInnen angesprochen und zur Bewerbung eingeladen werden!

 

SEKTIONEN & FACULTY

Sektion 1: Mobilität in der Krise – Transatlantische Perspektiven (Leitung: Alexandra Ganser, Amerikanistik)

Sektion 2: Unbewohnbare Zonen – Kriege, Klimawandel, Pandemien und erzwungene Mobilität (Leitung: Christof Parnreiter, Wirtschaftsgeografie)

Sektion 3: Narrationen und Imaginationen der Reise – Reiseliteratur, Reiseführer, Reisefotografie, Road Movie (Leitung: Annegret Pelz, Literaturwissenschaft)

Sektion 4: Techniken und Medien der Mobilität – Logistik, Migration und digitale Infrastrukturen (Leitung: Nanna Heidenreich, Transkulturelle Studien)

Sektion 5: Nichtmenschliche Mobilität – Migrationen der Tiere und Pflanzen (Leitung: Thomas Macho, Kulturgeschichte)

 

IFK_FACULTY

Alexandra Ganser (Universität Wien Institut für Anglistik und Amerikanistik), Christof Parnreiter (Universität Hamburg, Institut für Geographie), Annegret Pelz (Universität Wien, Institut für Germanistik), Nanna Heidenreich (Universität für angewandte Kunst Wien, Transkulturelle Studien), Thomas Macho (Kunstuniversität Linz, IFK, Wien)

 

TEILNEHMERINNEN

NachwuchswissenschafterInnen und kulturwissenschaftlich versierte KünstlerInnen, die ein zentrales Interesse an Kulturwissenschaften haben. Österreichische BewerberInnen oder solche, die an österreichischen Wissenschaftseinrichtungen arbeiten, werden besonders zur Antragstellung ermutigt.

Das Stipendium beinhaltet die Unterbringung im Einzelzimmer, Verpflegung (exkl. Getränke) sowie Bereitstellung von Arbeits- unterlagen. Auch Wiener TeilnehmerInnen wird sehr empfohlen im Magdas Hotel unterzukommen. Die Anreise an den Akademieort in Wien muss selbst übernommen werden.

 

Mit der seit 2003 jährlich stattfindenden Akademie will das IFK folgende Ziele erreichen:

→ Stärkung kulturwissenschaftlicher Verfahren und Perspektiven in den Geistes-, Kunst- und Sozialwissenschaften

→ Nachwuchsförderung durch intensive Zusammenarbeit von jungen und arrivierten ForscherInnen

 

Der Online Application-Prozess ist abgeschlossen

 

 

Mit freundlicher Unterstützung der