Adam Fergus
ifk Junior Fellow


Zeitraum des Fellowships:
01. Oktober 2006 bis 30. Juni 2007

"Und da war mir wieder: / ... daß irgendwo ein nieerlöstes Land / aus meinem Schauen schöner steigen will."
Ästhetische Vorstellungen von Russland als Reaktionen auf revolutionäre Politik und Exil



PROJEKTBESCHREIBUNG

Das Forschungsvorhaben teilt sich in zwei Abschnitte: Im ersten Abschnitt werden die literarischen Beziehungen des Eurasismus, einer nationalistischen Bewegung der ersten Welle der russischen Emigration untersucht. Im Eurasismus setzte sich die Einschätzung des ehemaligen russischen Reiches als einer Einheit durch, die sich von Europa und Asien kulturell wesentlich unterscheidet. Darin sollte die Idee eines in der Orthodoxie gegründeten Staates verwirklicht werden - worin auch der bedeutendste postrevolutionäre Begriff eines neuen Russentums lag. Bestimmte Vorstellungen und Bilder, die das eurasistische Denken charakterisierte, spiegelten sich im Werk von zwei der sprachlich innovativsten SchriftstellerInnen der Emigration - Aleksej Remisow und Marina Zwetajewa - wider. Die Werke dieser beiden Autoren sind zwar keineswegs eine bewusste Darlegung der Lehre der Eurasisten, sie können aber als Erläuterung des kulturellen Programms dieser Bewegung dienen.
Zugleich soll ergänzend die Arbeit der Moskauer Psychologischen Gesellschaft, einer der einflussreichsten philosophischen Kreise im Russland des frühen 20. Jahrhunderts, untersucht werden, in der sich eine Überschneidung des liberalen und religiösen Denkens zeigt. Die Hinwendung seiner Mitarbeiter vom politischen Programm zu einer ethischen Philosophie und zur Religion wird dabei erforscht. Diese Wende zeigt sich in der Entwicklung eines Konzepts zur Bildung einer idealen Persönlichkeit. Die Mitglieder der Gesellschaft vermochten also weder, sich politisch zu engagieren, noch, eine unabhängige politische Philosophie zu entwickeln. Trotz der beispiellosen politischen Ereignisse jener Zeit blieb die Debatte über Russlands Zukunft überwiegend unter dem Einfluss des im damaligen Russland gängigen literarisch-kulturellen Diskurses. Sowohl in der Moskauer Psychologischen Gesellschaft wie auch in eurasistischen Kreisen wurden Fragen über Russlands kulturelles Selbstbild und die Eigenart des russischen kulturellen Blicks in den Vordergrund gerichtet.



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