Kristina Hutter
IFK_Junior Fellow


Zeitraum des Fellowships:
01. Oktober 2021 bis 30. Juni 2022

Kristina Hutter

PROJEKTTITEL

Wisdom Dwells in Pyramids. Topologische Zugänge zu altägyptischen Pyramidentexten



PROJEKTBESCHREIBUNG

Im Übergangsritual der altägyptischen Pyramidentexte werden die Verstorbenen über einen liminalen Grenzbereich der Bewusstwerdung ins Jenseits geführt. Die der Reise zugrunde liegende Raumkonstruktion enthält ein verstehensrelevantes Wissen, das durch kognitive Verräumlichungsprozesse religiöser Vorstellungen den Sprachgebrauch der Pyramidentexte geprägt hat. Der topologische Zugang betrachtet räumliche Verhältnisse als relationierende Ordnungsprinzipien zur Versprachlichung religiöser und ritueller Inhalte, während ein nichtreduktionistisches Verfahren aus der kognitiven Semantik religiöses Wissen als eine semantisch relevante und vom Sprachwissen ungetrennte Bezugsgröße definiert. Ein zentraler Aspekt befasst sich hierbei mit der Phänomenologie der Landschaft und geht der Frage nach, wie die geografische Umgebung die kulturelle Imagination von Jenseitsräumen beeinflusst und wie die Jenseitslandschaft der Pyramidentexte die Kulturlandschaft des Niltals im 24. Jh. v. u. Z. reflektiert.



CV

Kristina Hutter studierte Ägyptologie an der Universität Wien. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Projekt Egyptian Root Lexicon und Universitätsassistentin (Praedoc, uni:docs Fellow) am Institut für Ägyptologie in Wien, wo sie im Bereich der mittelägyptischen Sprache und Hieroglyphenschrift lehrt und zum Thema »Topological Concepts in Old Kingdom Pyramid Texts. Spatial Imagery of the Beyond in Ancient Egyptian Religious Literature« promoviert. Sie war Preisträgerin des Stiftungsfonds für Postgraduates der Ägyptologie (Österreichische Akademie der Wissenschaften) und erhielt einen Förderpreis der Dr. Maria Schaumayer Stiftung. Sie unternahm mehrere Forschungsreisen nach Ägypten und war Fellow der Vienna Doctoral Academy: Theory and Methodology in the Humanities (Arbeitsgruppe: Raumtheorie). Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen die altägyptische Funerärkultur, Ritualtheorie und Phänomenologie der Landschaft sowie topologische und kognitivsemantische Zugänge zu religiösen Texten.



Publikationen

»Locating the Beyond. On Problems and Possibilities of Interpreting Spatial Information in the Pyramid Texts«, in: Ola el-Aguizy und Burt Kasparian (eds.), Proceedings of the International Congress of Egyptologists XII, Kairo (forthcoming), 10-page manuscript; »Ein Ort mit Perspektive. Gedanken zur Erschließung der Raumsemantik in den Pyramidentexten«, in: Alexandra Verbovsek, Dina Serova, Burkhard Backes, Matthieu W. Götz (eds.), (Un)Sterblichkeit: Schrift – Körper – Kult. Beiträge des neunten Berliner Arbeitskreises Junge Aegyptologie (BAJA 9) 30.11.–2.12.2018 (= GOF IV / 67), Wiesbaden 2020, pp. 75–86; Das sdm=f-Paradigma im Mittelägyptischen. Eine Vergleichsstudie verschiedener Grammatiken (= Lingua Aegyptia – Studia Monographica 18), Hamburg 2017.



15
November
2021
18:15
  • Lecture
IFK; IFK@Zoom
Kristina Hutter

Die altäyptischen Pyramidentexte beschreiben ein Übergangsritual, das den Verstorbenen mittels einer sprachlich kodierten Jenseitskarte den Weg weist. Die Verräumlichung religiöser Vorstellungen verbirgt dabei ein verstehensrelevantes Wissen, das die Sinnzusammenhänge der Jenseitsreise bedingt.

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