Ljiljana Radonić
ifk Research Fellow


Zeitraum des Fellowships:
01. Oktober 2016 bis 31. Januar 2017

Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen



PROJEKTBESCHREIBUNG

Wie wird der Zweite Weltkrieg in staatlich finanzierten postsozialistischen Gedenkmuseen repräsentiert, die nach 1989 (wieder-)eröffnet wurden? Den Kontext der Untersuchung bilden die „Europäisierung der Erinnerung“ und die postsozialistische Neuerfindung von Geschichte. Das Projekt vergleicht Dauerausstellungen in Gedenkmuseen von EU-Mitgliedstaaten in Ostmittel- und Südosteuropa. Über einen bloßen Überblick über die Museen, ihre Entstehungsgeschichte und die Frage, was sie repräsentieren, hinausgehend, wird untersucht, wie „doppelte“ bzw. „dreifache“ Okkupation und der Holocaust, Opfernarrative und Kollaboration in den jeweiligen Ländern verhandelt werden, aber auch, welche Auswirkungen die EU-Beitrittsbemühungen auf dieses Aushandeln hatten. Dass einige Ausstellungen nach 1989 mehr als einmal verändert wurden, erlaubt uns, die Dynamik der Opfernarrative, der Externalisierung und des „negativen Gedächtnisses“ zu untersuchen. Wie rekurrieren die Museen auf „europäische Standards“, und inwieweit übernehmen sie den von Holocaust-Museen ausgehenden Trend, das (individuelle) Opfer in den Mittelpunkt zu rücken?



CV

Ljiljana Radonić verfasst ihre Habilitation über den Zweiten Weltkrieg in post-sozialistischen Gedenkmuseen am Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und lehrt über (ostmittel)europäische Erinnerungskonflikte seit 1989 am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien.



Publikationen

gem. mit Heidemarie Uhl (Hg.), Gedächtnis im 21. Jahrhundert – Zur Neuverhandlung eines kulturwissenschaftlichen Leitbegriffs, Bielefeld 2016; Krieg um die Erinnerung. Kroatische Vergangenheitspolitik zwischen Revisionismus und europäischen Standards, Frankfurt/Main 2010; Die friedfertige Antisemitin. Kritische Theorie über Geschlechterverhältnis und Antisemitismus, Frankfurt/Main 2004.

Ljiljana Radonic: Narracje muzealne w miejscach historycznych [Museumsnarrative an Geschichtsorten]

Soeben erschienen ist der von Tomasz Kranz herausgegebene Sammelband (auf polnisch) mit einem Beitrag von Ljiljana Radonić. Sie war im WS 2016/17 IFK_Research Fellow.

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Auschwitz im Kontext – Die ehemaligen Konzentrationslager im gegenwärtigen europäischen Gedächtnis

Bogusław Dybas/Irmgard Nöbauer/Ljiljana Radonić (Hg.): Auschwitz im Kontext – Die ehemaligen Konzentrationslager im gegenwärtigen europäischen Gedächtnis, Frankfurt: Peter Lang 2017

Die Co-Herausgeberin Ljiljana Radonić war im Wintersemester 2016 IFK_Research Fellow.

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Ljiljana Radonić: Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen

 

Soeben ist die Habilitationsschrift von Ljiljana Radonić bei De Gruyter erschienen.

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05 Dezember 2016
  • Lecture
IFK
Liljana Radonic

DER ZWEITE WELTKRIEG UND DIE ANRUFUNG EUROPAS IN POSTSOZIALISTISCHEN GEDENKMUSEEN

Postsozialistische Gedenkmuseen kommunizieren auf zweierlei Arten mit „Europa“: Während die einen im Zuge der EU-Osterweiterung unter Beweis stellen wollten, dass ihre Dauerausstellungen „europäischen Standards“ entsprechen, und eine „Anrufung Europas“ betreiben, fordern die anderen von „Europa“, ihr Leid in der kommunistischen Ära anzuerkennen. 

 

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