Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 war Wien, wie viele europäische Städte, von massiven Zerstörungen geprägt. In der Literaturwissenschaft setzte sich dennoch früh die Ansicht durch, dass Österreich – im Unterschied zu Deutschland mit Autor*innen wie Heinrich Böll und Wolfgang Borchert – keine eigene Form der Trümmerliteratur hervorgebracht habe.
Der Vortrag stellt diese Position zur Diskussion. Anhand bislang wenig beachteter Autor*innen der unmittelbaren Nachkriegszeit, darunter Alma Holgersen, Johannes Mario Simmel, Susanne Wantoch und Dorothea Zeemann, wird gezeigt, dass die Erfahrung der Trümmer auch in Österreich ein zentrales literarisches Thema war. Die materiellen und gesellschaftlichen Zerstörungen prägten das künstlerische Schaffen ebenso wie den Alltag der Bevölkerung. Achtzig Jahre nach Kriegsende plädiert der Vortrag für eine Neubewertung der österreichischen Literatur und Kultur der ersten Nachkriegsjahre.
Alys George ist Kulturwissenschaftlerin und Assistant Professor für German Studies an der Stanford University. Sie forscht und lehrt zur österreichischen und deutschen Literatur, visuellen Kultur und Kulturgeschichte des 19. bis 21. Jahrhunderts, mit besonderem Augenmerk auf die Moderne und die Nachkriegszeit.
Die Carl E. Schorske Lecture Series ist eine Kooperation des ifk mit dem Wien Museum.
Ort: Wien Museum
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