01 Dezember 2014
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MIT DEM TEUFEL IM BUNDE: DER FALL CHRISTOPH HAIZMANN

Der Teufel (griech. Διάβολος = Durcheinanderwerfer) ist der chaotische Gegenspieler Gottes. Ergreift er Besitz von einem Menschen, geraten dessen Welt, dessen Körper und dessen Sprache durcheinander. Allein streng geregelte Exorzismen vermögen die Ordnung wiederherzustellen. Eine posthume Psychoanalyse durch Sigmund Freud machte den Fall des Malers Christoph Haizmann publik, der 1677 behauptete, sich dem Teufel verschrieben zu haben. Ein Vortrag von Jasmin Mersmann.


1677 und 1678 wurde in der Gnadenkapelle von Mariazell ein Maler Exorzismen unterworfen, der nach eigener Aussage neun Jahre zuvor einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatte. Kopien dieses Pakts sind in einem Manuskript der Österreichischen Nationalbibliothek überliefert. Bekannt geworden ist der Fall durch die „postume Psychoanalyse“ Christoph Haizmanns durch Sigmund Freud, der seine moderne Genievorstellung auf den Maler projizierte und ihm eine zweifelhafte Diagnose stellte.
Doch wer war dieser Maler, und was veranlasste ihn zum Teufelsbund bzw. zu der Behauptung, ihn eingegangen zu sein? (Bluts-)Pakte, in denen Menschen ihre Seele für bestimmte Gegenleistungen dem Teufel verschrieben, lassen sich in Archiven zahlreich finden. Das Besondere am Fall Haizmann besteht darin, dass das Wiener Konvolut auch Tagebuchaufzeichnungen und Bilder enthält, in denen der Maler die verschiedenen Gestalten festhielt, unter denen ihm der Teufel begegnet sein soll. Wir haben es also mit verae effigies, wahren Bildern des Teufels zu tun, die natürlich – ebenso wie die Formeln des Pakts und Haizmanns Traumberichte – zeittypischen Mustern entsprechen. Was also zeigen diese Bilder? Wovon handeln die Egodokumente? Und welche Sprache spricht der Besessene? Haitzmann wiederholt vor allem eines: Der, der da spricht, das bin nicht ich. Aber: Wer oder was ist es dann?

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