Verzicht hat oft einen schlechten Ruf. Obwohl er eine freiwillige Entsagung beschreibt, gilt er landläufig als aufoktroyierte »Spaßbremse« und wird häufig zum Gegenbegriff von Lebensfreude und Genussfähigkeit stilisiert – gerade auch in der Politik. Dabei ist Verzicht ein Thema, dem – allen Verdrängungsleistungen zum Trotz – existenzielle Bedeutung bei der Gestaltung unserer Zukunft zukommt.
Daher ist es angezeigt, die unterschiedlichen, auch kulturspezifischen Semantiken dieses Begriffs und seiner Wertungen zu untersuchen. Der Vortrag beleuchtet Verzichtssemantiken und -erzählungen in der 250-jährigen Kultur- und Ideengeschichte der USA und rekonstruiert eine Chronologie von Verzichtsszenarien im kulturellen Imaginären. Solche Szenarien finden sich im politischen Diskurs ebenso wie in populärer Kunst und thematisieren Machtverzicht, Gewaltverzicht, Liebesverzicht und Konsumverzicht. Zentrale Fragen sind: Wer leistet Verzicht, zu wessen Gunsten und mit welcher Motivation? Handelt es sich um individuelle oder kollektive Akte des Verzichts und wie werden diese plausibilisiert? Welche Implikationen ergeben sich daraus für aktuelle Diskussionen um das Gelingen von Verzicht?
Ort: ifk Arkade
Zurück