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04.06.2012
, 18:00 Uhr
IFK
Mit dem Hochschulerziehungsgesetz führte der austrofaschistische Staat 1935 sogenannte „Hochschullager“ ein. Diese in den Sommern 1936 und 1937 abgehaltenen Lager mussten von allen männlichen Studierenden besucht werden und dienten der körperlichen und geistigen Wehrhaftmachung. Mittels der Gemeinschaftserfahrung des mehrwöchigen Lagerlebens sollte die neue österreichische Volksgemeinschaft erlebt werden. Die vormilitärische Ausbildung (Exerzieren, Kraftübungen, Taktik, Camouflage, Kartenlesen etc.) intendierte darüber hinaus eine Militarisierung, die dabei jedoch eher im Sinne der Disziplinierung als in einer hinreichenden Ausbildung in Kampffähigkeit erfolgte. Es galt, Studierende gemeinschaftsfähig zu machen, den Individualismus zu überwinden. Das Lager war der Hort der Disziplinierung. Hier sollten Studenten, diese schwächlich-bleichen Stadtmenschen, zu wie Landburschen „kräftigen, gebräunten Gestalten“ (Ignaz Zangerle) ausgebildet und schließlich auf die neue Österreichideologie eingeschworen werden. Jedem Lager stand ein Offizier des Bundesheeres vor, dem ein Bildungsführer zur Seite gestellt war. Ersterer war für die Ausbildung der Körper und für militärische Disziplinierung, Zweiterer für die weltanschauliche Schulung im vaterländischen Sinne zuständig.