03
April
2017
  • Lecture
IFK

DIE FREUDEN DER ENTFREMDUNG. CHARLIE CHAPLINS „CITY LIGHTS“

Szene aus City Lights

Entgegen der gängigen Annahme, dass in Charlie Chaplins Film „City Lights“ Komödie und Melodrama organisch miteinander verschmelzen, lässt sich in der ästhetischen Form des Films ein struktureller Antagonismus zwischen Komik und Tragik beobachten: Das Tragische ist Ausdruck einer Krise des Komischen, die das Slapstick-Kino im Übergang vom Stumm- zum Tonfilm, vom Kurz- zum Langfilm erfasst. „City Lights“ markiert einen symptomatischen Punkt in der Filmgeschichte, an dem die Komödie gewissermaßen ihre Unschuld verliert und sich von sich selbst entfremdet. Der Vortrag verortet den Ursprung dieser Entfremdung im Widerspruch zwischen der theatralen, deiktisch offenen Form des „Early Cinema“ und der im engeren Sinne kinematografischen, diegetisch geschlossenen Form des fiktionalen Kinos. Der marxistische Begriff der Entfremdung soll dabei von seiner rein negativen Konnotation befreit und zu einem ästhetischen Konzept gewendet werden: Es geht also um die Frage einer ästhetischen Freude an und in der Entfremdung, die sich in Chaplins Komik artikuliert.

 

Sulgi Lie hat Filmwissenschaft, Germanistik und Philosophie in Bochum, Amsterdam und Berlin studiert. Von 2005 bis 2015 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Filmwissenschaft an der Freien Universität Berlin und 2016 Postdoctoral Fellow der Volkswagenstiftung an der School of Cinematic Arts der University of Southern California, Los Angeles. Derzeit ist er IFK_Research Fellow.

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Ort: IFK

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