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Vortrag von Michael Jeismann: IFK_Live: Wie ungleiche Paare die Weltgeschichte verändert haben

Michael Jeismann



Nichts gebe so verlässlich Auskunft über die Spaltungen und Schichtungen einer Gesellschaft wie die Ehen, stellte Alexis de Tocqueville 1856 im fünften Buch seines epochalen Werks „Der alte Staat und die Revolution“ fest. Noch sechzig Jahre nach der Großen Revolution in Frankreich verhinderten die „alten“, vorrevolutionären Eliten und die „neuen“ Familien, die nach der Revolution zu Geld und Einfluss gelangt waren, zuverlässig, dass zwischen ihren Kindern Ehen geschlossen wurden. Von Perikles’ Staatsbürgerschaftsgesetz aus dem Jahr 450 v. Chr. bis heute: Wer wen heiratete und heiraten durfte, betrifft bis heute die Identität ganzer Gesellschaften. Es erzählt davon, wer dazugehören darf und wer nicht.


Michael Jeismann ist Historiker und Journalist. Er war Mitarbeiter von Reinhart Koselleck, schrieb über Nationalismus, Kriegerdenkmäler, Vergangenheitspolitik und ungleiche Paare. Von 1993 bis 2006 war er Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Es folgte ein Stipendium der Krupp-Stiftung, seitdem arbeitet er für das Goethe-Institut und ist außerplanmäßiger Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin, derzeit ist er Stadt Wien_IFK Fellow und IFK_Gast des Direktors. Vortragsmitschnitt vom 30. November 2020.