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Vortrag
21. Juni 2010
IFK
18 Uhr c.t.
Benjamin Steininger

IFK_Junior Fellow

Benjamin Steininger: Katalysator - ein Schlüsselbegriff für die Mobilisierung der Materie im 20. Jahrhundert

Der strategische wie der künstlich-natürliche Status der Kohle- und Erdölprodukte ist kulturwissenschaftlich äußerst aufschlussreich: Natur, Technik und Ökonomie, wissenschaftliche und gesellschaftliche Projektionen gehen ineinander über. Schlüsselbegriff zur Analyse eines ausgewählten Zeitschnitts ist im Vortrag von Benjamin Steininger eines der schillerndsten Tools und Konzepte der chemischen Industrie: der Katalysator. Um 1940 ist die strategische Bedeutung der katalytischen Technologien auf einem Höhepunkt angelangt. Stärker noch als den Ersten Weltkrieg trägt ein katalytisch-industrieller Komplex den Zweiten. Klopffeste Flugbenzine aus Kohle oder Erdöl, Munition auf Methanolbasis und der Synthesekautschuk Buna sind allesamt Katalyseprodukte. Am Vorabend von Atombombe und Kybernetik wird der Katalysator zudem zum Denkmodell außerchemischer, gesamthistorischer Prozesse: bei Chemiephilosophen, Rohstoffschriftstellern und NS-Politikern. Er wird zum modernen Stein der Weisen, zum Modell des freien Willens, zur Basis einer allgemeinen, hierarchischen Steuerungslehre. Es scheint, als habe die chemische Leittechnologie der Epoche den Begriff zu ihrer Deutung selbst geliefert.

IFK: Pressemitteilung


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