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Alexander von Schwerin: "Repariere dich selbst!" - Molekularbiologie und der Rückzug des Sozialstaats
Die 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts leiteten eine Zeit gesellschaftlichen Umbruchs ein. Die Erdölkrise erschütterte die USA und Europa schwer. Amerikanische Wirtschaftstheoretiker, die den Umbau des Wirtschaftssystems predigten, stiegen zu neuen Leitfiguren auf. Sie predigten eine radikale Liberalisierung der Märkte und den Rückzug des Sozialstaats. Alexander von Schwerin sucht abseits dessen Orte des wissenschaftlichen Geschehens auf und untersucht deren Wirkungsgeschichte. Es waren nicht nur diese 1976 mit dem Nobelpreis geadelten Wirtschaftstheorien, die den Umbau westlicher Gesellschaften in Bewegung brachten. Alexander von Schwerin nimmt in seinem Vortrag andere Seiten dieses Umbruchs ins Visier: auch verschiedene Wissenschaften waren mit dabei im Umbruch-Spiel. Ihren Beitrag zum Umbau des Wohlfahrtsstaats in eine neoliberale Gesellschaft kann man aber nicht an ihren Programmatiken ablesen. So waren Disziplinen wie Toxikologie, Biochemie und Molekularbiologie damit beschäftigt, die Schattenseite der Massenkonsumgesellschaft zu bearbeiten. Die ihnen zugewiesene Aufgabe war, die Flut neuer Chemikalien wie Arzneistoffe und Pestizide auf ihre Giftigkeit und Cancerogenität zu untersuchen. Sie erzeugten dabei allerdings ungefragt neue Vorstellungen davon, in welchem Verhältnis Mensch und Umwelt zueinander stehen. Der Mensch erschien bei ihnen nicht mehr als wehrloses Opfer äußerer Einwirkungen oder als passiver Konsument staatlicher Wohltaten, sondern als ein molekularbiologisch gedeutetes aktives und marktförmiges Subjekt. "Repariere dich selbst!", kann deshalb als Formel einer grundlegenden Rekonfiguration der Beziehung von Individuum, Umwelt und Gesellschaft in jenen Jahren verstanden werden.
IFK: Pressemitteilung
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