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Elisabeth Prinz: "Der Guillotinenthermometer darf nicht fallen". Georg Büchners Operation mit Denkfiguren des politischen Körpers
Im Herbst 1834 flüchtet der Medizinstudent und Verfasser des "Hessischen Landboten" nach Darmstadt, um im Hause seines Vaters eine offene und eine heimliche Operation in Angriff zu nehmen: Auf dem Schreibtisch liegt der aufgeschlagene "Anatomische Atlas des Menschlichen Körpers", der dem Vater den Lerneifer des angehenden Arztes demonstrieren soll. Darunter befinden sich zahlreiche Bücher über die Französische Revolution: ein historisches Schichtwerk, das der angehende Schriftsteller in einem experimentellen Verfahren neu anordnet. Büchner zieht in seinem Stück "Dantons Tod" einen synchronen, messerscharfen Schnitt durch die zeitgenössischen Denkfiguren des politischen Körpers. Bleibt nach der Guillotinierung des Königs die moderne Gesellschaft als kopfloser Körper übrig? Beendet ein radikaler "Hitzetod" ihre Krankheitsgeschichte? Auf jeden Fall verändert der Autor die Verlaufsform der revolutionären Fieberkurve auf ungemein konsequente Weise. Elisabeth Prinz spricht über Büchners Stück als einen Ort, an dem medizinisches Wissen und zeitgenössische politische Entwürfe sich mit historischen Bildtraditionen und modernen Aufschreibeverfahren verbinden. "Dantons Tod" wird als Experimentalanordnung gelesen, als Operation mit unklarem Ausgang, die das letale Ende der Probanden sowie das Scheitern der Revolution von der ersten Szene an einkalkuliert.
IFK: Pressemitteilung
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