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Senior Fellows
Research Fellows
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Philippe Despoix
Suzanne Romaine
Thomas Weitin


Photo Philippe DespoixPhilippe Despoix
Professor für vergleichende Medien- und Literaturwissenschaft, Université de Montréal

Forschungsprojekt:

Das fotografische Medium im Spiegel von Anthropologie und Geschichte. Ethnografische Fotografien und Kriegsfotografien in vergleichender Perspektive

Philippe Despoix untersucht in seinem Forschungsprojekt, das seine wissenschaftsgeschichtlichen Studien über die Auswirkung der Vermessungstechniken auf das anthropologische Wissen der Aufklärung (Die Welt vermessen, 2009) sowie seine Arbeiten zum Konnex zwischen fotografischen Medien und Geschichtsschreibung fortsetzt, die Herausforderung, die die Fotografie an die moderne Ethnografie und Historiografie stellt. Zu diesem Zweck ist das Projekt auf zwei Pole ausgerichtet: auf die frühe ethnografische Feldfotografie und deren unreflektierte Funktion bei der Konstituierung der Anthropologie als Disziplin sowie auf die fotografischen Amateurpraktiken der deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg, deren kontroverses Material zu einer Revision historiografischer und mediengeschichtlicher Einordnung Anlass gibt. Der Sinn des Vergleichs zwischen den zwei Gebieten ergibt sich aus dem zu untersuchenden parallelen Einsatz von visueller Technik in der Vermittlung und Bewältigung von extremen Erfahrungen. Dabei werden Fragen der Bedingungen eines fundierten historisch-anthropologischen Umgangs mit dem fotografischen Medium aufgeworfen.

Zeitraum des Forschungsprojektes:
1. Oktober 2009-31. Jänner 2010

CV und Publikationen:
Philippe Despoix studierte Natur- und Kulturwissenschaften in Toulouse, Paris und Berlin. Er promovierte 1987 an der EHESS in Paris und habilitierte sich in vergleichender Literaturwissenschaft 1998 an der FU Berlin. Er war Gastprofessor an der New York University (1994), The University of Chicago (1998) und Ernst-Cassirer-Gastprofessor an der Universität Hamburg (2000). Zwischen 2003 und 2008 leitete er das Montrealer Canadian Center for German and European Studies. Zur Zeit ist er Professor für vergleichende Medien- und Literaturwissenschaft an der Université de Monréal und Direktor der Zeitschrift "Intermédialités".
Publikationen (u. a.): Die Welt vermessen, Göttingen 2009; gem. mit Johanne Lamoureux (Hg.), Travailler/Working: Harun Farocki, Intermédialités, 11, 2008; gem. mit Nicolas Donin (Hg.), Les moyens techniques de l'art, Revue de synthèse, 2-3, 2008; gem. mit Peter Schöttler (Hg.), Siegfried Kracauer, Penseur de l'histoire, Paris 2006; gem. mit Justus Fetscher (Hg.), Crosscultural Encounters and Constructions of Knowledge in the 18th and 19th Century, Kassel 2004; Ethiken der Entzauberung, Bodenheim 1998.


Photo Suzanne RomaineSuzanne Romaine
Professorin für englische Sprache, Universität Oxford

Forschungsprojekt:

Sprachen als Teile lokaler Ökologien - eine Warnung vor Sprachverlust

Viele der ärmsten Menschen leben in Regionen mit hoher sprachlicher, kultureller und biologischer Vielfalt. Papua-Neuguinea als Beispiel verfügt über mehr als 850 Sprachen und mehr als fünf Prozent der weltweiten biologischen Vielfalt. Der dramatische Verlust an Biodiversität ist bekannt, dennoch ist den wenigsten bewusst, dass im Laufe dieses Jahrhunderts bis zu 50-90% der heute weltweit 6.900 Sprachen aussterben könnten. Die Folgen einer abnehmenden Biodiversität und sprachlichen Vielfalt treffen meist die Ärmsten der Weltbevölkerung, d. h. eine große Zahl von indigenen Völkern und anderen Minderheiten, die mehr als 60% der Sprachen sprechen. Leider ist der Verlust dieser sprachlichen Vielfalt bisher kein zentrales Thema in den Debatten über Globalisierung, Armut und Ungleichheit gewesen. Der Sprachtod kann weitreichende Folgen verursachen, denn es besteht eine enge Dependenz zwischen Sprache, Kultur und Identität. Mit dem Verlust einer Sprache geht auch das kulturspezifische Wissen verloren. Es besteht höchster Handlungsbedarf, dem Verschwinden von Sprachen und Biodiversität entgegenzuwirken. Mittels Hotspot-Analyse (Hotspots sind geografische Gebiete, in denen sprachliche und biologische Vielfalt wie auch Armut besonders groß sind) soll die Verknüpfung zwischen Biodiversität, kultureller Diversität und linguistischer Diversität erläutert werden.

Zeitraum des Forschungsprojektes:
1. Oktober 2009-31. Jänner 2010

CV und Publikationen:
Suzanne Romaine ist seit 1984 Professorin für englische Sprache an der Universität Oxford. Im Studienjahr 2005/2006 war sie Fellow am Center for Advanced Studies in the Behavioral Sciences in Stanford. Sie unterrichtete als Gastprofessorin an der Georgetown University und der Uppsala Universitet in Schweden und verbrachte Forschungsaufenthalte in Papua-Neuguinea, Australien und den USA. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Sprachkontakt, Mehrsprachigkeit, Minderheitsprachen, Pidgin bzw. Kreolsprachen, Sprachwandel und Sprachtod.
Publikationen (u. a.): gem. mit Daniel Nettle, Vanishing Voices. The Extinction of the World's Languages, New York 2000; Language in Society. An Introduction to Sociolinguistics, Oxford 2000; Communicating Gender, Mahwah, NJ 1999; Pidgin and Creole Languages, London 1988; (Hg.), Cambridge History of the English Language Vol. 4, 1776 to 1997, Cambridge 1997.


Photo Thomas WeitinThomas Weitin
Professor für Neuere deutsche Literatur, Universität Konstanz

Forschungsprojekt:

Wahrheit und Gewalt. Der Diskurs der Folter

Was wird in welchen institutionellen Zusammenhängen mit der Folter verhandelt und vollzogen? Diese Frage stellt sich historisch in Hinblick auf die schrittweise Abschaffung der Folter im 18. Jahrhundert und die rechtspolitischen Auseinandersetzungen, die sie, mit starker Wirkung auf die Literatur, begleitet haben. Und sie stellt sich aktuell innerhalb einer gesellschaftlichen Debatte um den Würdebegriff, deren Wurzeln im Deutschen Idealismus und in der Literatur dieser Epoche liegen.
Entfaltet wird die Forschungsfrage über den - anhand der Folter fassbaren - "Grenzbegriff" der Gewalt. Thomas Weitin geht davon aus, dass die Abschaffung der Folter als juristisches Beweiserzwingungsmittel mit einer Einlagerung der körperlichen Gewalt in den imaginären Bereich der Sprache einhergeht. Untersucht wird dieser Prozess im Verhältnis von Recht und Literatur, wobei die "aktenmäßigen Darstellungen" in den juristischen Fallsammlungen der Nachaufklärungszeit eine zentrale Rolle spielen. Diese Quellen sind als Hybridtexte zwischen Recht und Literatur für die schrittweise Medialisierung der Folter in der literarischen Einbildungskraft entscheidend. Heute spiegelt das Paradigma der Fallgeschichte in den einschlägigen TV-Serienformaten die gesellschaftliche Diskussion um die Folter nicht nur wider - die Folter tritt als ein Medienprodukt auf, das komplexen symbolischen und kulturellen Codierungen unterliegt. Daraus erwächst die heuristische Verantwortung der nicht-empirischen Gewaltforschung, die diese Zusammenhänge systematisch analysieren und historisch ausleuchten muss.

Zeitraum des Forschungsprojektes:
1. Oktober 2009-31. Jänner 2010

CV und Publikationen:
Thomas Weitin ist Professor für Neuere deutsche Literatur im europäischen Kontext an der Universität Konstanz. Er habilitierte sich 2008 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Von 2004 bis 2007 war er dort Wissenschaftlicher Assistent am Germanistischen Institut, 2005 Humboldt-Fellow an der Johns Hopkins University in Baltimore. Von 2002 bis 2004 hatte er Postdoc-Stipendien im Graduiertenkolleg "Codierung von Gewalt im medialen Wandel" an der Humboldt-Universität zu Berlin und am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt/Main inne. Er leitet das Drittmittelprojekt "Wahrheit und Gewalt. Der Diskurs der Folter" (Volkswagen-Stiftung) und ist einer der Leiter des DFG-Netzwerks "Gewalt der Archive".
Publikationen (u. a.): Zeugenschaft. Das Recht der Literatur, München 2009; Recht und Literatur, Münster 2009.

Thomas Weitin im Interview



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