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Senior Fellows
Peter BeckerChristine GöttlerBrent ManerGabriella Mazzon | Peter Becker Professor für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte, Johannes Kepler Universität Linz
Forschungsprojekt:
Der diskrete Charme des Formulars. Zur Kulturgeschichte der öffentlichen Verwaltung
Verwaltungshandeln beruht auf Kommunikationsakten innerhalb der Verwaltung, zwischen Verwaltung und Bürgern sowie zwischen Behörden und politischen Entscheidungsträgern. Die Art der Kommunikation und die verwendeten Technologien veränderten sich mit der Expansion des Staates und mit seinem gestiegenen Bedürfnis an regelmäßig erhobenen Daten über Wirtschaft und Untertanen zur Entwicklung und Durchführung von unterschiedlichen Programmen. Die Kontrolle über Produktion, Verarbeitung und Mitteilung von Informationen erhielt seit dem Anspruch der Fürsten zur Selbst-Regierung zunehmende Bedeutung. Zur Organisation dieser Kommunikation und ihrer Kontrollpotentiale nutzten die Behörden unterschiedliche Technologien - das Formular war eine der wichtigsten. In seinem Projekt wird Peter Becker die Kulturgeschichte des Formulars von der Regierungszeit Philipp II in Spanien bis zur Expansion des Steuer- und Wohlfahrtsstaates in der Nachkriegszeit verfolgen. Er wird dabei die Veränderungen in den Blick nehmen, die durch die Nutzung des Formulars ausgelöst wurden und die Erschließung neuer Politikfelder durch die Nutzung dieser Technologie analysieren.
Zeitraum des Forschungsprojektes: 1. März 2010-30. Juni 2010
CV und Publikationen: Peter Becker studierte Geschichte, Soziologie und Kunstgeschichte an der Universität Graz. Anschließend war er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Geschichte in Göttingen und am Deutschen Historischen Institut in Washington, D. C., tätig. An der Universität Göttingen habilitierte er sich im Jahr 2000 mit einer Arbeit zur Geschichte der Kriminologie als Diskurs und Praxis. Als Professor für Central European History am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz (1997-2005) entwickelte er ein neues Forschungsprojekt zur Kulturgeschichte der Verwaltung. Publikationen (u. a.): (Hg.), Sprachvollzug im Amt. Kommunikation und Verwaltung im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts, Bielefeld 2010 [im Druck]; gem. mit Richard Wetzell (Hg.), The Criminals and their Scientists. The History of Criminology in International Perspective, New York, Cambridge 2006; Dem Täter auf der Spur. Eine Geschichte der Kriminalistik, Darmstadt 2005; Verderbnis und Entartung. Zur Geschichte der Kriminologie des 19. Jahrhunderts als Diskurs und Praxis, Göttingen 2002.
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 | Christine Göttler Professorin für Kunstgeschichte, Universität Bern
Forschungsprojekt:
Kunst, Alchemie und lokale Geschichte im Antwerpen des 16. und frühen 17. Jahrhunderts: Die Sammlung des portugiesischen Handelskaufmanns Manuel Ximenes (1564-1632)
In der stetig anwachsenden kunsthistorischen und interdisziplinären Literatur zu Sammlungen der Frühen Neuzeit finden sich im Vergleich mit Italien oder Holland immer noch wenige Publikationen zu den Spanischen Niederlanden. Dies ist umso erstaunlicher, da ja die in Antwerpen "erfundenen" gemalten Kunstkammern den Sammlern und "Liebhabern der Künste und Wissenschaften" eine zentrale Stelle zuweisen, wie sie auch flämische Gemälde, optische und astronomische Instrumente, Musikinstrumente sowie lokale archäologische Funde präsentieren. Ein bedeutender liefhebber der consten war der portugiesische Kaufmann und Bankier Manuel Ximenes, der in seinem Palast an der Prachtstraße Antwerpens (Meir), eine bemerkenswerte Sammlung wissenschaftlicher Instrumente, ein alchemistisches Labor, flämische Gemälde alter und neuer Meister und die umfangreichste Bibliothek der Stadt beherbergte; Zeitgenossen beschrieben Manuel als einen "ingeniösen und erfahrenen Mann in allen Wissenschaften". Während ihrer Forschungszeit am IFK wird Christine Göttler versuchen, die spezifische Ausrichtung und die Eigenheiten dieser Sammlung näher zu bestimmen. Dabei wird sie neben anderen Antwerpener Sammlungen auch künstlerische und archäologische Projekte berücksichtigen, die sich auf die kulturellen und technologischen Erfindungen der Stadt Antwerpen bezogen: die druckgraphische Serie der Nova Reperta; Rubens' Beschäftigung mit lokalen und fremden Kostümen und mit den Maltechnologien niederländischer und Antwerpener Künstler; das von den Erzherzögen und den Antwerpener Jesuiten geförderte umfassende kulturpolitische Projekt einer lokalen Archäologie und Historiographie.
Zeitraum des Forschungsprojektes: 1. März 2010-30. Juni 2010
CV und Publikationen: Christine Göttler ist seit dem 1. April 2009 Ordinaria für Kunstgeschichte der Neuzeit an der Universität Bern. 1991 schloss sie ihr Studium der Kunstgeschichte, deutschen Literatur und Kirchengeschichte an der Universität Zürich mit der Promotion ab. 1989-94 war sie wissenschaftliche Assistentin am Kunsthistorischen Institut der FU Berlin. Danach folgte ein dreijähriger Forschungsaufenthalt am Warburg Institute der University London, School of Advanced Study. 1998-2009 war sie Professorin für Kunstgeschichte an der University of Washington, Seattle. 2006 hat sie sich an der FU Berlin in Kunstgeschichte habilitiert. Weiter nahm sie Lehraufträge und Vertretungen an der Universität Zürich wahr und erhielt Einladungen zu längeren Forschungsaufenthalten am Netherlands Institute for Advanced Study (Wassenaar), an der Huntington Library (San Marino, CA) und dem Getty Research Institute. Publikationen (u. a.): Last Things: Art and the Religious Imagination in the Age of Reform, Proteus: Studies in Identity Formation in Early Modern Image-Text-Ritual-Habitat, 2, Turnhout 2010; Rubens's "Ecce Homo" and "Derision of Silenus": Classical Antiquity, Images of Devotion and the Ostentation of Art, in: Reindert Falkenburg, Walter S. Melion und Todd M. Richardson (Hg.), Image and Imagination of the Religious Self in Medieval and Early Modern Europe, Proteus: Studies in Early Modern Identity Formation, 1, Turnhout 2008, S. 427-481; gem. mit Wolfgang Neuber (Hg.), Spirits Unseen: The Representation of Subtle Bodies in Early Modern European Culture, Intersections, 9, Leiden 2007; "Figura passionis": Abraham und Isaak im Stundenbuch der Maria von Burgund, in: Ulrich Heinen, Johann Anselm Steiger (Hg.), Isaaks Opferung in den Konfessionen und Medien der Frühen Neuzeit, Arbeiten zur Kirchengeschichte, 101, Berlin, New York 2006, S. 153-184; Die Kunst des Fegefeuers nach der Reformation. Kirchliche Schenkungen, Ablass und Almosen in Antwerpen und Bologna um 1600, (=Berliner Schriften zur Kunst, Bd. 7), Mainz 1996.
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 | Brent Maner Associate Professor für Geschichte, Kansas State University
Forschungsprojekt:
Städte der Spekulation: Kulturelle Bilder der Wiener, Frankfurter und Berliner Börsen von 1866 bis 1933
In diesem Projekt werden die wichtigsten drei Börsen im deutschsprachigen Raum untersucht und wie sie zu dem Ausbau von Wien, Frankfurt und Berlin als ökonomische und industrielle Zentren beitrugen. Seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts spielten diese Handelsplätze eine entscheidende Rolle in der Finanzierung des Eisenbahnnetzwerkes, beim Wachstum von Großunternehmen und beim Verkauf von Staatsanleihen. Zusätzlich zu diesen zentralen Funktionen erschienen die Börsen als starke Symbole der neuen wirtschaftlichen Ordnung der Großstädte. Die Börse, mehr als jede andere städtische Institution, verkörperte den Optimismus und die Angst des modernen Stadtlebens. Bankier, Finanzier und Börsenmakler wurden wichtige Verbraucher und Träger der großbürgerlichen Kultur, aber ihre Geschäfte beruhten auf dem meist ungeregelten Aktienmarkt. Das Auf und Ab der Börse deutete die vergängliche Natur von bürgerlichen Normen an. Die Einwohner von Großstädten betrachteten die Börse als eine positive Innovation, die Wachstum und Hochkonjunktur bringen könnte, aber auch als eine gefährliche oder sogar korrupte Einrichtung, die anscheinend von Gerüchten, von Insiderhandel, Kapitalanlagebetrug und gewissenloser Spekulation verschleiert war. Um näher an das Bild der Börse zu kommen, werden Zeitpunkte untersucht, wann die Spekulation in der Tagespresse heftig debattiert wurde. Wichtige Beispiele waren: Immobilienabmachungen in Großstädten, die wirtschaftlichen Folgen der Abschwünge der 1870er und 1890er Jahre, der Verkauf von Staatsanleihen während des Ersten Weltkrieges und der Krach, der die Große Depression einleitete.
Zeitraum des Forschungsprojektes: 1. März 2010-30. Juni 2010 Forschungsort: Fulbright/IFK_Senior Fellow
CV und Publikationen: Brent Maner promovierte 2001 an der University of Illinois und war 2001-2002 Gastprofessor an der University of Tulsa. Seit 2002 lehrt er an der Kansas State University und seit 2008 als Associate Professor für Geschichte ebendort. Im Zuge des Projekts "Cities of Speculation: Cultural Representations of the Vienna, Berlin and Frankfurt Stock Exchange, 1866-1933" erforscht er die Entwicklung des Aktienwesens und das Bild von Spekulanten. Publikationen (u. a.): Germany's Ancient Pasts: Archaeology and Historical Interpretation since 1750, Chicago [im Erscheinen]; Rudolf Virchow, in: John Merriman und Jay Winter (Hg.), Europe, 1789-1914: Encyclopedia of the Age of Industry and Empire, New York 2006; Die Entdeckung der Vor- und Frühgeschichte: Begegnungen mit der Vorzeit durch das Märkische Provinzialmuseum, in: Alexis Joachimides, Sven Kuhrau (Hg.), Renaissance der Kulturgeschichte, Dresden, Basel 2001.
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 | Gabriella Mazzon Professor of English Language and Linguistics, University of Cagliari
Forschungsprojekt:
Pathos as Rhetorical Strategy in Drama and Art of the Middle Ages: A Comparison of Visual and Verbal Acts of Communication
Pathos was a common instrument of public communication in the Middle Ages, an era in which emotion-based rhetoric superseded other strategies of influencing and instructing the populace. Gabriella Mazzon asserts that verbal and visual elements are often employed in tandem to impress the public and to aid the memory. These new communication types were particularly prevalent in the later centuries of the Middle Ages, when new mendicant monastic orders introduced novel methods of preaching. To instruct the congregation - which employed the vernacular, and not Latin - these orders believed that the use of a local language, the insertion of comic episodes, and a closer attention to worldly matters could be more potent than mystical ceremonies. This synergy emerges very clearly in the verbal and visual aspects of drama and of iconography. Representations of pain and suffering are especially relevant in constructing this rhetoric. While aspects germane to the history of art, literary criticism, and iconography have been widely examined, a systematic, integrative analysis of these factors from a linguistic perspective is outstanding. By analysing, e.g., specific dialogic structures or the repetition of particular words and figures of speech, a linguistic approach sheds light on how people were made cognizant of the value of suffering in their progress towards salvation.
Zeitraum des Forschungsprojektes: 1. März 2010-30. Juni 2010
CV und Publikationen: Gabriella Mazzon is full Professor of English Language and Linguistics at the University of Cagliari, Italy. Her main research interests are varieties of English, the history of English, and the historical sociopragmatics of English. Publications (among others): Interactive Dialogue Sequences in Middle English Drama, Amsterdam 2009; (ed.), Studies in Middle English Forms and Meanings (Proceedings of the 5th ICOME Conference, Naples, 24-27 August 2005), Wien 2007; A History of English Negation, London 2004; Pronouns and Nominal Address in Shakespearean English: A Socio-Affective Marking System in Transition, in: Irma Taavitsainen and Andreas H. Jucker (eds.), Diachronic Perspectives on Address Term Systems, Amsterdam 2003.
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