Die IFK_Forschungsschwerpunkte sollen das wissenschaftliche Profil des IFK im Wege innovativer Themen stärken und auf die wissenschaftliche Arbeit und Debatte der GastwissenschaftlerInnen fokussieren.

Imaginationen der Unordnung

Der Forschungsschwerpunkt widmet sich dem Begriff der Unordnung als Metapher für Auflösung, Wandel und Transformation. Damit soll eine Vielfalt von aktuellen und historischen Phänomenen angesprochen werden – die Wechselwirkungen von geordneten Mikro- und chaotischen Makrosystemen, systemische Krisen der Wirtschaft und der Gesellschaft, Erosionen kultureller und materieller Reserven, Störfälle als Katalysatoren gesellschaftlichen Wandels, die Unverfügbarkeit von Geschichte als Problem der kollektiven Selbstverständigung, der Wandel geopolitischer Kräfteverhältnisse und daraus entstehende neue Machtkonstellationen, die Modelle von Evolution, Variation, Adaptation und Emergenz in Natur und Kultur sowie ästhetische Figurationen von Ordnungsverlusten und Umbrüchen.

Das Problem von Ordnung bzw. Unordnung soll aber auch als eine Frage sich gegenseitig widersprechender Perspektiven thematisiert werden. Was aus euro-atlantischer Sicht Verluste anzeigt, kann aus pazifisch-asiatischer Sicht Gewinne bedeuten. Was den einen als Erosion eines gewohnten Wohlstands-, Stabilitäts- und Gerechtigkeitsparadigmas erscheint, kann für die anderen unerwartete Chancen für Einkommen und Konsum eröffnen. Und was die einen als düsteres Bild der Krise und des Niedergangs entwerfen, kann sich für die anderen als optimistisches Szenario des Aufbruchs und ungeahnter Entwicklungsmöglichkeiten darstellen.

Die Imaginationen der Unordnung sollen anhand jener symbolischen Repräsentationen dargestellt, beschrieben und analysiert werden, die Strukturverluste, aber auch Strukturgewinne des Kulturellen, Sozialen und Politischen zum Gegenstand haben. Folgende Fragekomplexe sollen u. a. thematisiert werden:

  • „Out of Control“ als Metapher für Umbrüche in Wirtschaft und Technik
  • Behebung von Störungen als Voraussetzung sozialer Ordnungen  
  • Phantasmen der Unordnung als Instrumente von Politik und Herrschaft 
  • Bilder der Unordnung als Medien der Wahrnehmung und Erkenntnis oder der Entlastung
  • Risikomodellierung als Versuch, Unordnung beherrschbar zu machen


Das IFK Internationales Forschungszenturm Kulturwissenschaften an der Kunstuniversitä Linz ist nicht an ausschließlich theoretisch oder empirisch ausgerichteten Anträgen interessiert, sondern an Projektformulierungen, die konzise empirische Forschungen mit umsichtiger theoretischer Reflexion verbinden. Interdisziplinär konzipierte Einreichungen, die eine klar formulierte Fragestellung beinhalten sowie eine exzellente Kenntnis der relevanten Disziplinen und Forschungsansätze demonstrieren, haben die besten Chancen, durch den Internationalen Wissenschaftlichen Beirat des IFK positiv beschieden zu werden.

 

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